66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Prädiktoren schwerer Verläufe von Handinfektionen – eine retrospektive Analyse
Text
Fragestellung: Handinfektionen stellen eine häufig auftretende und potenziell schwerwiegende Erkrankung in der Handchirurgie dar. Ausgewählte Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Nikotinkonsum oder Immunsuppression wurden bereits als prädisponierende Faktoren von komplizierten Verläufen beschrieben. Ziel der Studie ist die Identifikation von Prädiktoren schwerer Verläufe stationär behandelter Handinfektionen. Ein Einfaches, im klinischen Alltag gut anwendbares Schema zur frühen Risikoeinschätzung ist bislang nicht einheitlich etabliert.
Methodik: Es erfolgte eine retrospektive Analyse stationär behandelter Handinfektionen (2020–2026) in der BG Klinik Bergmannstrost. Erfasst wurden demographische Daten, relevante Komorbiditäten, mikrobiologische Befunde, operative Revisionen, der Verlauf laborchemischer Parameter, der Zeitraum der operativen Therapie und resistenzgerechten Antibiotikatherapie. Als Marker eines schweren Verlaufs wurden stationäre Verweildauer, Anzahl der Operationen und das Auftreten von Komplikationen analysiert. Komplikationen wurden definiert als Sepsis, notwendige Amputation/ Arthrodese, Verlust relevanter funktioneller Strukturen und/ oder das Auftreten eines Hautweichteildefektes an der Hand.
Ergebnisse: In einer Vorstudie konnten bisher 51 Patientendaten ausgewertet werden. Ziel der Studie ist die Auswertung von >300 Patientendaten. Häufigste Ursache für den Handinfekt waren Katzenbisse (19,6%) gefolgt von Stichverletzungen (13,7%), Schnittverletzungen (13,7%), Quetschungen (11,8%), postoperativ (9,8%), Hundebisse (5,9%), Bagatellverletzungen (3,9%), Fremdkörperinkorporation (3,9%), Paronychie (2,0%), Verbrennungen (2,0%) und bei 2% keine klare Ursache. Der häufigste Erreger war Staphylococcus aureus, gefolgt von Streptococcus pyogenes und Pasteurella multocida. Häufigste Komorbiditäten waren arterielle Hypertonie (45,1%), Adipositas (13,7%) und Diabetes mellitus (11,8%). Zudem erfasst wurden Hyperurikämie7,8%), KHK (3,9%), Immunsuppression (3,9%), pAVK (2,0%) und Malignome (2,0%). 13,7% waren Raucher. Bei 37 Patienten wurde ein Second Look durchgeführt, im Median nach 2,66 Tage. Bei 32,4% erfolgte dieser innerhalb von ≤48h, 35,1% zwischen 48-72h und 32,4% nach >72h. Statistisch signifikante Prädiktoren für einen schweren Verlauf ergaben sich bisher zur Zeit vom Beginn des Infektes bis zur Vorstellung (Median 8 vs. 2 Tage; p=0,01) und Diabetes mellitus (p=0,012). Ein Second Look nach >72 h war mit einer signifikant längeren Verweildauer assoziiert (Median 9,5 vs. 7,0 Tage; p=0,0023).
Schlussfolgerung: Die vorläufigen Ergebnisse sprechen dafür, dass patientenseitige Faktoren den Verlauf von Handinfektionen relevant beeinflussen. Eine verzögerte Vorstellung und das Vorliegen von Risikofaktoren, wie Diabetes mellitus waren mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf assoziiert. Die Daten sprechen dafür, dass sich aus den Parametern ein Risikoscore zur früheren Identifikation gefährdeter Patienten entwickeln lässt. In der größeren Kohorte soll dieser Ansatz validiert werden.



