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66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie

Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie
08.-10.10.2026
Bremen

Meeting Abstract

Arztseitig entwickelter KI-Prototyp zur strukturierten OP-Dokumentation und Erlössimulation in der Handchirurgie – Architektur, Validierung und ökonomische Implikationen im Vergleich EBM versus Hybrid-DRG

Daniel Behrendt - Roland Klinik Bremen, Bremen, Deutschland

Text

Fragestellung: Mit Einführung der Hybrid-DRG nach § 115f SGB V hat sich die Erlössystematik für ambulant erbringbare handchirurgische Eingriffe substanziell verändert; die Differenzierung zwischen EBM- und Hybrid-DRG-Pfad wird in Klinikinformationssystemen bislang unzureichend abgebildet. Parallel sind dialogische Sprachmodelle so weit gereift, dass eine fachlich präzise Eigenentwicklung medizinischer Hilfssysteme auch ohne formale Informatikausbildung realistisch erscheint.Untersucht wurde, wie weit ein klinisch tätiger Handchirurg mit ausschließlich frei zugänglichen KI-Komponenten kommt, wenn er einen Kodierungsassistenten implementiert, der einen diktierten OP-Bericht in einen strukturierten Befund mit verifizierten Kodierungsvorschlägen und einer parallelen Erlössimulation für EBM und Hybrid-DRG überführt.

Methodik: Implementiert wurde der Prototyp „HandChir-Kodierer“ als Webanwendung mit drei Verarbeitungsstufen: Spracherkennung des Diktats, anschließende Strukturierung und Codevorschlag durch ein aktuelles Sprachmodell mit Zugriff auf die offiziellen ICD-10-GM- und OPS-Kataloge des BfArM (Stand 2026, Verfahren der Retrieval-Augmented Generation), und Verifizierung jedes Codes gegen eine lokale Klassifikationsdatenbank. Ein nachgelagertes Erlös-Modul berechnet parallel EBM-Vergütung und Hybrid-DRG-Erlöse anhand der InEK-Bewertungsrelationen sowie den Deckungsbeitrag je Minute. Validiert wurde an synthetischen Testdiktaten und an anonymisierten realen OP-Berichten unterschiedlicher Komplexität aus dem eigenen Versorgungsspektrum (u.a. distale Radiusfraktur, Daumensattelgelenk-Endoprothese, Handgelenksarthroskopie, Arthrodese, periphere Nervendekompression).

Ergebnisse: Der Prototyp überführt ein gesprochenes Diktat im Warmstart in unter 15 Sekunden in einen strukturierten Bericht mit verifizierten Kodierungsvorschlägen und parallelem Erlösvergleich, bei API-Kosten unter drei Cent pro Anwendung. Die Verifizierungsquote der vorgeschlagenen OPS- und ICD-10-GM-Codes lag über 90%; nicht gelistete Codes werden explizit als unverifiziert markiert. Über die reine Kodierung hinaus generiert das System kontextbezogene Optimierungsfragen zu Begleiteingriffen mit eigener Kodierrelevanz und stellt die Erlöspfade EBM und Hybrid-DRG inklusive DB/min-Schätzung gegenüber.

Schlussfolgerung: Der Prototyp belegt, dass eine Kombination aus retrieval-basierter Verifizierung gegen die offiziellen Klassifikationen und parallelem Erlösvergleich technisch realisierbar und ökonomisch tragfähig ist. Für die Handchirurgie eröffnet sich damit ein Pfad zu ärztlich initiierter Innovation jenseits der klassischen Industriekooperation. Limitierend bleibt: Es handelt sich um keine zertifizierte Medizinsoftware und ersetzt keine ärztliche Kodierprüfung. Der Weg zu einem alltagstauglichen Werkzeug führt über prospektive Validierung, regulatorische Zulassung als Medizinprodukt und Anbindung an bestehende Klinikinformationssysteme.