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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Bedarf an Remote Care und Vergleich von Vor-Ort- und App-basierter Fernanpassung in der Cochlea-Implantat-Nachsorge

Adriana Barthel - Universität Witten/Herdecke, Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Hagen, Deutschland; Hochschule Aalen, Fachbereich Audiologie und Hörakustik, Aalen, Deutschland
Andrea Breinhild-Olsen - Universität Witten/Herdecke, Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Hagen, Deutschland
Vanessa Mazur - Universität Witten/Herdecke, Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Hagen, Deutschland
Franziska L. Bosse - Universität Witten/Herdecke, Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Hagen, Deutschland
Jonas J.-H. Park - Universität Witten/Herdecke, Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, Hagen, Deutschland
Annette Limberger - Hochschule Aalen, Fachbereich Audiologie und Hörakustik, Aalen, Deutschland
Steffen Kreikemeier - Hochschule Aalen, Fachbereich Audiologie und Hörakustik, Aalen, Deutschland

Text

Fragestellung: App-basierte Fernanpassungen eröffnen in der Cochlea-Implantat (CI) Nachsorge neue Möglichkeiten, darunter Echtzeit-Anpassungen, Implantat- und Sprachprozessorchecks sowie Hörkontrollen per Smartphone-App [1], [2]. Im Rahmen einer Befragung soll herstellerunabhängig der Bedarf an Remote Care aus Sicht von CI-Tragenden untersucht werden. Ziel ist es zu analysieren, welche Aspekte in der CI-Nachsorge besonders wichtig sind, welche Argumente für oder gegen Remote Care sprechen und welche Funktionen CI-Tragende nutzen würden. Darüber hinaus soll die Vergleichbarkeit von App-basierten Fernanpassungen mit Vor-Ort-Anpassungen hinsichtlich objektiver und semiobjektiver Parameter sowie der subjektiven Zufriedenheit CI-Tragender untersucht werden.

Methoden: Im ersten Teil der Studie wurde im Dezember 2024 mithilfe eines selbst entwickelten Fragebogens der Bedarf an Remote Care im Hörzentrum Hagen-Südwestfalen ermittelt. Insgesamt wurden 86 Antworten in die Auswertung miteinbezogen. Im zweiten Teil der Studie wurde mit 21 CI-Tragenden jeweils eine Vor-Ort- und eine Fernanpassung durchgeführt. Für Personen mit einem Implantat von Advanced Bionics wurden die Anwendungen AB Remote Support und AB Listen Fit verwendet, für Cochlear-Nutzende die Anwendungen Remote Check und Remote Assist. Anschließend wurden Impedanzwerte, ECAP-Schwellenwerte, Stimulationslevel, die Anpassungsdauer, Ergebnisse verschiedener Hörkontrollen sowie die subjektive Bewertung der Anpassungsmethoden per Fragebogen festgehalten.

Ergebnisse: Die Auswertung der Befragung zeigt, dass 64,3% der Teilnehmenden Remote Care nutzen würden („Ja“ bzw. „Eher ja“). Zudem erfüllen 82,6% durch ihre regelmäßige Smartphone-Nutzung die grundlegende Voraussetzung dafür. Als stärkstes Argument gegen Remote Care wird im Median der fehlende persönliche Kontakt genannt, während ein Großteil der Befragten die Zeitersparnis als zentralen Vorteil hervorhebt. Die Ergebnisse des zweiten Studienteils zeigen teilweise herstellerspezifische Unterschiede. Bei einem Hersteller treten signifikante Abweichungen in den ECAPs und T-Leveln auf, bei dem anderen in den Impedanzen und der Anpassungsdauer. Die semiobjektiven Hörkontrollen ergeben, mit Ausnahme der durch die App erhobenen Aufblähkurve, keine signifikanten Unterschiede. Auch die subjektiven Bewertungen unterscheiden sich nicht zwischen den Anpassungsmethoden.

Schlussfolgerung: Insgesamt zeigt die Mehrheit der Befragten ein Interesse an Remote Care, auch wenn der persönliche Kontakt zum Fachpersonal weiterhin als wichtig erachtet wird. Die App-basierte Fernanpassung erweist sich trotz einzelner Abweichungen als durchführbar, effizient und von CI-Tragenden ebenso positiv bewertet wie die Vor-Ort-Anpassung. Sie stellt im Rahmen der digitalen Gesundheitsversorgung eine vielversprechende Ergänzung zur konventionellen CI-Nachsorge dar und könnte in Teilbereichen die herkömmliche Versorgung sogar ersetzen.


References

[1] Büchner A. App-basierte Anpassung des Cochlea-Implantats durch den Patienten [Empowering patients through app-based cochlear implant self-adjustment]. HNO. 2025 Feb;73(2):83-94. German. DOI: 10.1007/s00106-024-01544-6
[2] Morton S, Dwyer B, Dwyer N, Holden L, Iannuzzi K, Lewis K, Nelson M, Brown C, Agrawal S, Stein A, Passmore C, Galster J, Zlomke S, Firszt J. Remote Programming of Adult and Pediatric Cochlear Implant Recipients: Clinical Trial Results. Otol Neurotol Open. 2025 Jul 14;5(3):e073. DOI: 10.1097/ONO.0000000000000073