28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Untersuchung von Sprachverarbeitung und Sprachabruf bei Cochlea-Implantat-Nutzenden und typisch hörenden Versuchspersonen
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Die aktive Teilnahme an Gesprächen erfordert die Funktion mehrerer kognitiver Prozesse: Zuhörende müssen nicht nur dazu in der Lage sein, Gesprächsinhalte zu verstehen, sondern diese gleichzeitig zu verarbeiten, zu memorieren und eine adäquate Antwort vorzubereiten. Die zugrundeliegenden Prozesse beruhen auf einer effizienten Verteilung von perzeptiven, sowie kognitiven Ressourcen. Die Sprachübertragung mittels Cochlea-Implantat (CI) ist im Vergleich zu einem gesunden Gehör begrenzt; die verminderte Signalqualität führt möglicherweise dazu, dass sich CI-Nutzende mehr anstrengen müssen als Menschen mit gesundem Gehör, was die vermehrte Rekrutierung von kognitiven Ressourcen erfordern kann.
Die vorliegende Studie untersucht, inwiefern CI-Nutzende und typisch Hörende mit vergleichbarem Alter dazu in der Lage sind, Sprachinformationen zu speichern und abzurufen und welche Auswirkungen die Sprachverarbeitung auf die kognitive Belastung und das Arbeitsgedächtnis hat. Hierzu wurde ein auditiver n-back Test erstellt: Matrix-Sätze, bestehend aus drei Wörtern – Zahl, Adjektiv, Objekt (z.B. „sieben rote Blumen“) – wurden in Ruhe präsentiert. Die Teilnehmenden wurden dazu aufgefordert, die Sätze zu wiederholen und mittels Tastendruck zu entscheiden, ob ein Zielwort im aktuellen (zero-back) oder im vorherigen (one-back) Satz vorkam.
Im Vortrag werden Ergebnisse präsentiert, die Sprachverständlichkeit, Abrufgenauigkeit und Reaktionszeit beinhalten. Höranstrengung- und kognitive Belastung, welche mittels Veränderung des Pupillendurchmessers gemessen wurden, sowie die subjektive Anstrengung während der Aufgabenbewältigung wurden ebenfalls erhoben. Um die Ergebnisse individuell einschätzen zu können, wurden sowohl das Alter der Teilnehmenden berücksichtigt, als auch Tests zu zusätzlichen kognitiven Funktionen (Arbeitsgedächtnis, gerichtete Aufmerksamkeit, kognitive Flexibilität, Verarbeitungsgeschwindigkeit) durchgeführt.
Es wird davon ausgegangen, dass eine Erhöhung der Aufgabenschwierigkeit zu einer erhöhten Arbeitsgedächtnisbelastung führt und somit die Abrufgenauigkeit vermindert, Reaktionszeiten erhöht und eine stärkere Pupillenerweiterung verursacht. Zudem wird erwartet, dass die Erhöhung des Schwierigkeitsgrads einen stärkeren Einfluss auf die Ergebnisse der CI-Nutzenden hat als auf die der alterstypisch hörenden Kontrollgruppe.
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, Kennzeichen ME 2751/6-1



