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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Zwischen Technik und Teilhabe: Service Learning zur Sensibilisierung für Hörbeeinträchtigung

Susann Thyson - Universitätsklinik Düsseldorf, Medizinische Fakultät und Heinrich-Heine-Universität Düssel, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland
Maika Werminghaus - Universitätsklinik Düsseldorf, Medizinische Fakultät und Heinrich-Heine-Universität Düssel, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland
Wiebke van Treeck - Universitätsklinik Düsseldorf, Medizinische Fakultät und Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland
Dorothee Schatton - Universitätsklinik Düsseldorf, Medizinische Fakultät und Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland
Ipek Türkyilmaz - Universitätsklinik Düsseldorf, Medizinische Fakultät und Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland
Katharina Schaumann - Universitätsklinik Düsseldorf, Medizinische Fakultät und Heinrich-Heine-Universität Düssel, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland
Thomas Klenzner - Universitätsklinik Düsseldorf, Medizinische Fakultät und Heinrich-Heine-Universität Düssel, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Hörzentrum, Düsseldorf, Deutschland

Text

Fragestellung: Das Blockseminar „Awareness Hörbeeinträchtigung – Alltag, Herausforderungen und Lösungen“ des Hörzentrums Düsseldorf verfolgte das Ziel, bei Studierenden der Medizin sowie angrenzender Fächer fachliches Verständnis und eine teilhabeorientierte Haltung gegenüber Menschen mit Hörbeeinträchtigung zu fördern. Angestrebt wurde der Erwerb technischer und medizinischer Grundkenntnisse, die Erfassung psychosozialer Implikationen, die Identifikation alltagsrelevanter Barrieren sowie die Ableitung praxistauglicher Strategien zur Förderung der Inklusion. Das Lehrprojekt wurde von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gefördert.

Methoden: Es wurde ein dreitägiges, service-learning-basiertes Blockseminar konzipiert, das universitäre Theorie systematisch mit gemeinwohlorientiertem Engagement und strukturierter Reflexion kombinierte. Der Aufbau folgte einer Logik aus Wissensaufbau, erfahrungsbasiertem Lernen und Transfer. In Lernsequenzen wurden Grundlagen zu Hörstörungen, Diagnostik und CI-Funktion sowie Perspektiven aus Disability Studies und Audiopädagogik erarbeitet. Praxisnahe Elemente ermöglichten die Anwendung und Beobachtung diagnostischer Routinen unter kontrollierten Bedingungen. Ein kooperativer Anteil erfolgte in Zusammenarbeit mit universitären Beratungsstellen, beruflichen Integrationsdiensten und der CI-Selbsthilfe. Barrieren wurden systematisch identifiziert und Lösungsansätze validiert. Die Ergebnisse flossen in öffentlichkeitswirksame Sensibilisierungsarbeit für Versorgungspraxis und Selbsthilfe ein.

Ergebnisse: Die Seminarinhalte wurden von den Studierenden insgesamt als sehr verständlich (100%) und interessant (90%) bewertet, etwa 85% berichteten eine erhöhte Motivation zur Vertiefung der Inhalte. Die Beiträge wurden überwiegend als anregend (80%) und praxisorientiert (65%) wahrgenommen, während etwa 50% Optimierungsbedarf bei der Vortragsdauer sahen. Qualitative Rückmeldungen der Studierenden belegten nach dem Seminar einen realistischen Erwartungshorizont an CI-Outcome und Rehabilitationsverläufe. Zusätzlich wurden konkrete Kommunikationsstrategien als unmittelbar wirksam beschrieben. Berichtet wurde Kompetenzzuwachs in Fachwissen zu Diagnostik und Versorgungspfaden, in interdisziplinärer Kommunikationsfähigkeit sowie in Empathie, Verantwortungsbewusstsein und teilhabefokussierter Haltung.

Schlussfolgerung: Das Service-Learning-basierte Lehrformat erwies sich als wirksamer Ansatz zur Verzahnung von fachlicher Qualifizierung und haltungsbezogener Professionalisierung. Die Kombination aus strukturiertem Wissensaufbau, praxisnaher Erprobung, kooperativer Arbeit mit Praxispartnern und angeleiteter Reflexion generierte sowohl messbare Zufriedenheits- und Motivationswerte als auch qualitativ beschreibbare Kompetenzgewinne der Studierenden. Fast alle Studierenden gaben an, das Seminar habe ihr Bewusstsein für die Lebensrealität von Menschen mit Hörbeeinträchtigung nachhaltig geschärft.