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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Höranstrengungsbasierte Kurzdiagnostik zur Abschätzung individueller Rauschunterdrückungs-Präferenzen bei Hörgerätetragenden

Jonathan Gößwein - Fraunhofer IDMT – HSA, Oldenburg, Deutschland
Jan Rennies-Hochmuth - Fraunhofer IDMT – HSA, Oldenburg, Deutschland; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Medizinische Physik und Akustik, Oldenburg, Deutschland
Birger Kollmeier - Fraunhofer IDMT – HSA, Oldenburg, Deutschland; Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Medizinische Physik und Akustik, Oldenburg, Deutschland

Text

Fragestellung: Wie lässt sich die individuelle Präferenz für Einstellungen der Rauschunterdrückung (noise reduction, NR) bei Hörgerätetragenden schnell und klinisch praktikabel erfassen?

Methoden: Mit einer adaptiven kategorialen Skalierung der subjektiv wahrgenommenen Höranstrengung (listening effort, LE) wurde LE einmal in Abhängigkeit vom Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) und einmal in Abhängigkeit von durch spektrale Subtraktion erzeugten „musikalischen" Verzerrungen gemessen. Durch Überlagerung beider LE-Kurven (invertierte Verzerrungsachse) wurde ein individueller Kreuzungspunkt bestimmt und in dieser Studie als persönlicher Trade-off zwischen Rauschtoleranz und Verzerrungstoleranz interpretiert. Zur Validierung erfolgten Paarvergleiche in realistischen Alltagsklangszenen mit verschiedenen NR-Algorithmen und mehreren Einstellstufen. Teilnehmende waren ältere, erfahrene Hörgerätetragende mit leichtem bis mittlerem Hörverlust.

Ergebnisse: LE sank mit steigendem SNR und stieg mit zunehmenden Verzerrungen, wie erwartet. Die aus den Kreuzungspunkten abgeleitete Kennzahl verteilte sich kontinuierlich zwischen den Polen „Rauschhasser“ und „Verzerrungshasser“. Sie stand in Beziehung zu den Präferenzen aus den Paarvergleichen; die Vorhersagekraft hing von Szene und Algorithmus ab und zeigte sich vor allem bei niedrigen SNR deutlich. Ein systematischer Zusammenhang mit dem Ausmaß des Hörverlusts war nicht erkennbar.

Schlussfolgerungen: Die LE-basierte Kennzahl ermöglicht in kurzer Zeit eine klinisch praktikable Abschätzung individueller NR-Präferenzen. Sie kann die Voreinstellung geeigneter NR‑Stärken unterstützen, Personen mit ausgeprägten Präferenzprofilen identifizieren und aufwendige Vergleichstests ergänzen. Eine Übertragung auf weitere Verzerrungsarten und NR-Verfahren bietet sich an.