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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Effekt von Sprachmaterial und Störschallpegel in der Hörgerätevalidierung

Jonte Kriebel - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland
Saskia Ibelings - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland
Thomas Brand - Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Department für Medizinische Physik und Akustik, Oldenburg, Deutschland
Inga Holube - Jade Hochschule Oldenburg, Institut für Hörtechnik und Audiologie, Oldenburg, Deutschland

Text

Fragestellung: Sprachtests sind ein fester Bestandteil in der Hörgerätevalidierung und werden in der Hilfsmittelrichtlinie [1] gefordert. Dabei können sie sich hinsichtlich ihrer Eigenschaften sowie der Durchführung unterscheiden: z.B. Sprachmaterial, Geschlecht des Sprechers, Wahl des Störschalls, Störschallpegel oder Sprachsynthese. Ziel der Studie war die Untersuchung der zuvor genannten Faktoren auf das unversorgte und versorgte Sprachverstehen sowie somit auf den Nutzen von Hörgeräten.

Methoden: In der Studie wurden als Sprachtests der Oldenburger Satztest (OLSA) sowie der neu entwickelte Oldenburger Phrasentest (OLPHRA, [2]) verwendet. Der OLPHRA zeichnet sich durch eine weibliche, synthetische Stimme aus und beinhaltet im Unterschied zum OLSA Phrasen mit semantischem Kontext in der Struktur Artikel – Adjektiv – Nomen - Infinitiv. Zum Vergleich mit dem OLPHRA wurde der OLSA in vier Versionen implementiert. Für drei Versionen wurde der Störschall aus dem Sprachmaterial erzeugt (Speech Adjusted Noise, SAN). Damit ergaben sich folgende Versionen:

  • Natürlicher männlicher Sprecher, originales Rauschen
  • Natürlicher männlicher Sprecher, SAN
  • Natürliche weibliche Sprecherin, SAN
  • Synthetische weibliche Sprecherin, SAN

Der Signal-Rausch-Abstand für ein Sprachverstehen von 50% (SRT) wurde für den OLSA und OLPHRA unversorgt sowie versorgt bei Störschallpegeln von 45 und 65 dB SPL ermittelt. An den Messungen nahmen 23 erfahrene Hörgeräteträger im Alter zwischen 60 und 78 Jahre mit einem Hochton-Hörverlust teil. Der mittlere Hörverlust (PTA-4) lag zwischen 44 und 68 dB HL.

Ergebnisse: Die unversorgten Messungen zeigten in allen Fällen einen signifikant höheren SRT im Vergleich zu den versorgten Messungen. Der verwendete Störschall sowie die Sprachsynthese zeigten keinen signifikanten Effekt auf das Sprachverstehen oder den Hörgerätenutzen. Für den Darbietungspegel 45 dB SPL resultierten signifikant höhere SRTs im Vergleich zum Darbietungspegel 65 dB SPL. Das Geschlecht des Sprechers hatte einen signifikanten Effekt auf das Sprachverstehen, wenn die Hörbarkeit der Signale nicht gegeben war. Die weibliche Sprecherin führte in diesem Fall zu einem höheren SRT, sodass der Hörgerätenutzen für die weibliche Sprecherin im Vergleich zum männlichen Sprecher größer ausfiel. Für den Faktor Sprachmaterial ergab sich für den OLPHRA ein signifikanter Unterschied zum OLSA mit Ausnahme der versorgten Kondition bei 65 dB SPL. Insgesamt zeigte sich bei Verwendung des OLPHRA der größte Hörgerätenutzen.

Schlussfolgerungen: Um den Hörgerätenutzen zu maximieren, sollte eine weibliche Stimme in Verbindung mit einem geringen Störschallpegel von 45 dB SPL verwendet werden. Der OLPHRA bietet gegenüber dem OLSA einen semantischen Kontext und resultiert in einem größeren Hörgerätenutzen.


References

[1] Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Hilfsmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung. (Hilfsmittel-Richtlinie/HilfsM-RL). 2025 [besucht am 20.11.2025]. Verfügbar unter: https://www.g-ba.de/downloads/62-492-3815/HilfsM-RL_2025-02-20_iK-2025-05-16.pdf
[2] Ibelings S, Brand T, Ruigendijk E, Holube I. Development of a Phrase-Based Speech-Recognition Test Using Synthetic Speech. Trends Hear. 2024 Jan-Dec;28:23312165241261490. DOI: 10.1177/23312165241261490