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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Erkennung kognitiver Beeinträchtigungen bei Menschen mit Hörverlust – diagnostische Herausforderungen, verfügbare Tests und praxisrelevante Aspekte

Isabell Ballasch - Universität zu Köln, Köln, Deutschland; KOJ Hearing Network, Achern, Deutschland; Uniklinik Köln, Medizinische Psychologie, Neuropsychologie und Gender Studies & Centrum für neuropsychologische Diagnostik und Intervention (CeNDI), Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Köln, Deutschland; Uniklinik Köln, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Köln, Deutschland
Marietta Meka - Universität zu Köln, Köln, Deutschland; KOJ Hearing Network, Achern, Deutschland
Jan-Patric Schmid - KOJ Hearing Network, Achern, Deutschland
Elke Kalbe - Uniklinik Köln, Medizinische Psychologie, Neuropsychologie und Gender Studies & Centrum für neuropsychologische Diagnostik und Intervention (CeNDI), Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Köln, Deutschland
Josef Kessler - Uniklinik Köln, Medizinische Psychologie, Neuropsychologie und Gender Studies & Centrum für neuropsychologische Diagnostik und Intervention (CeNDI), Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Köln, Deutschland; Uniklinik Köln, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Köln, Deutschland

Text

Hintergrund: Weltweit sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit rund 430 Millionen Menschen von einem Hörverlust betroffen [1]. Häufig verwendete kognitive Testverfahren wie der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der Montreal Cognitive Assessment (MoCA) oder der DemTect sind vor allem auditiv basiert und setzen ein intaktes Sensorium voraus. Dadurch können die kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit Hörminderung nur unzureichend abgebildet werden. Dies führt häufig zu einer systematischen Unterschätzung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit und kann in Einzelfällen zu einer fehlerhaften Pathologisierung führen [2].

Fragestellung: Welche kognitiven Testverfahren sind für Menschen mit Hörverlust geeignet oder spezifisch adaptiert worden, und welche Besonderheiten zeichnen diese Verfahren aus?

Methode: Es wurde eine systematische Literaturrecherche zu bestehenden kognitiven Testverfahren für Personen mit Hörverlust durchgeführt. Im Fokus standen Testverfahren, die entweder speziell für diese Zielgruppe entwickelt oder für sie angepasst wurden.

Ergebnisse: Einzelne Anpassungen bestehender kognitiver Tests für Personen mit Hörverlust existieren, darunter der MMST für Hörgeminderte, Hearing Impaired MoCA, MoCA Hearing Impaired, DemTectEar (s. Abbildung 1 [Abb. 1]) und der O-DEM. Neben den herkömmlichen Paper&Pencil-Tests wurden die computergestützte ALACog-Testbatterie, die tabletgestützte Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery (CANTAB) und der tabletbasierte DiCoDi (Digital Cognitive Diagnostics) für Menschen mit und ohne Hörverlust entwickelt, bei dem alle Instruktionen und das Stimulusmaterial ausschließlich visuell auf dem Tablet dargeboten werden. Exemplarisch werden Daten des DiCoDi präsentiert. Zudem werden Empfehlungen für kognitive Schnelltests ausgesprochen.

Abbildung 1: Exemplarische Darstellung kognitiver Screenings für Menschen mit Hörverlust

Schlussfolgerungen: Valide und reliabel kognitive Testverfahren für Menschen mit Hörverlust stehen mittlerweile zur Verfügung. Ihr Einsatz erfolgt bislang jedoch noch nicht flächendeckend, obwohl sie einen wesentlichen Beitrag zur differenzierten Diagnostik kognitiver Leistungen bei hörgeminderten Personen leisten können. So empfehlen Völter et al. [2] den DemTectEar und Hearing Impaired MoCA für leichte bis mittelgradige kognitive Beeinträchtigungen, während sie einen Einsatz des MMST bei fortgeschrittenen kognitiven Beeinträchtigungen nahelegen.


References

[1] WHO. Deafness and hearing loss. 2024 Feb 02.
[2] Völter C, Götze L, Bruene-Cohrs U, et al. Hören und Kognition: neurokognitive Testbatterien in der HNO-Heilkunde. HNO. 2020;68(3):155–163. DOI: 10.1007/s00106-019-00762-7