28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
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DiCoDi – ein digitaler Kognitionstest für Menschen mit und ohne Hörbeeinträchtigung: Normen unter Berücksichtigung soziodemografischer Variablen
Text
Hintergrund: Die Häufigkeit von Demenzen nimmt weltweit zu [1]. Vor diesem Hintergrund besteht die Notwendigkeit, angemessene Normwerte für kognitive Tests zu entwickeln. Soziodemografische Variablen werden jedoch meist nicht berücksichtigt. Zudem sind gängige kognitive Tests überwiegend auditiv basiert und erfassen den kognitiven Status von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen nur unzureichend und unzuverlässig [2]. Der DiCoDi (Digital Cognitive Diagnostics) wurde daher als tabletbasierter kognitiver Test für Personen mit und ohne Hörbeeinträchtigungen entwickelt.
Fragestellung: Können für den DiCoDi alters- und bildungskorrigierte Normwerte genannt werden?
Methode: Die Studie umfasste 373 Teilnehmende: 200 Kontrollpersonen (Frauen: n = 116, Alter: x̄ = 67,48 ± 12,2 Jahre) und 173 Personen mit Hörbeeinträchtigung (Frauen: n = 81, Alter: x̄ = 72,86 ± 8,7 Jahre). Der DiCoDi setzt sich aus neun Subtests zusammen und dauert etwa 30 Minuten. Sämtliche Items und Instruktionen werden visuell über ein Tablet präsentiert. Die Punktvergabe des DiCoDi basierte auf ROC-Analysen, Kriterien der Augenscheinvalidität sowie der von Fengler et al. [3] empfohlenen Vorgehensweise, woraus ein maximaler Gesamtwert von 48 Punkten resultierte. Die Alters- und Bildungskorrektur erfolgte anhand einer Teilstichprobe von 174 Personen ohne kognitive Beeinträchtigung, die alle Subtests vollständig bearbeitet hatten. Die Gruppierung richtete sich nach den Kategorien Bildung (≥ 12 Jahre vs. < 12 Jahre) und Alter (> 65 Jahre vs. ≤ 65 Jahre). In der Altersgruppe ≤ 65 Jahre zeigte sich keine signifikante Korrelation zwischen DiCoDi-Gesamtwert und Bildung, sodass hier auf eine Bildungskorrektur verzichtet wurde. Diese Gruppe wurde zudem als Referenzgruppe herangezogen, da sie die höchsten DiCoDi-Gesamtwerte erzielte.
Daraus ergaben sich drei Gruppen: (1) Alter > 65 Jahre, Bildung ≥ 12 Jahre (n = 73), (2) Alter > 65 Jahre, Bildung < 12 Jahre (n = 33) und (3) Alter ≤ 65 Jahre (n = 68).
Cut-Off-Werte wurden basierend auf der deskriptiven Statistik der obengenannten Teilstichprobe (n = 174) für den DiCoDi-Gesamtwert erstellt.
Ergebnisse: Zur Anpassung an Alters- und Bildungseffekte erhielten die Gruppen auf Grundlage der deskriptiven Werte der Referenzgruppe zusätzliche Punkte (s. Tabelle 1 [Tab. 1]).
Tabelle 1: Alters- und Bildungskorrektur
Zur Differenzierung zwischen keinen und leichten bis mittleren kognitiven Beeinträchtigungen wurde ein Cut-Off Wert von 37 Punkten im alters- und bildungskorrigierten DiCoDi-Gesamtwert festgelegt.
Schlussfolgerungen: Mithilfe der alters- und bildungskorrigierten Normwerte des DiCoDi soll ein Ansatz zur Verbesserung der Diagnostik kognitiver Beeinträchtigungen insbesondere bei Menschen mit Hörbeeinträchtigungen vorgestellt werden.
References
[1] Nichols E, et al. Estimation of the global prevalence of dementia in 2019 and forecasted prevalence in 2050: an analysis for the Global Burden of Disease Study 2019. Lancet Public Health. 2022;7:e105-e125.[2] Völter C, Götze L, Bruene-Cohrs U. et al. Hören und Kognition: neurokognitive Testbatterien in der HNO-Heilkunde. HNO. 2020;68(3):155–163. DOI: 10.1007/s00106-019-00762-7
[3] Fengler S, Kessler J, Timmermann L, Zapf A, Elben S, Wojtecki L, Tucha O, Kalbe E. Screening for Cognitive Impairment in Parkinson's Disease: Improving the Diagnostic Utility of the MoCA through Subtest Weighting. PLoS One. 2016 Jul 20;11(7):e0159318. DOI: 10.1371/journal.pone.0159318



