28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Erstellung eines geschlossenen Freiburger Einsilbertests mittels phonologisch kontrollierter Ablenker
Text
Fragestellung: Die Freiburger Einsilber (FE) wurden als offener Test konzipiert [1]. Bisherige Untersuchungen zum Vergleich der offenen und geschlossenen Durchführung zeigten unterschiedliche Ergebnisse in Bezug auf die Diskriminationsfunktion [2], [3]. Der Einfluss der Eigenschaften der Ablenkeritems wurde dabei nicht beschrieben. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass die phonologische Übereinstimmung sowie die Häufigkeit im Wortschatz einen Einfluss auf die Auswahl des Items haben. Für eine Weiterentwicklung der geschlossenen FE wurden daher systematisch Ablenkersets erstellt, bei denen Phonologie sowie die Häufigkeit im deutschen Wortschatz berücksichtigt wurden.
Methoden: Für die Auswahl von einsilbigen Ablenkern wurde ein Score für die phonologische Übereinstimmung für jeden FE erstellt. Ein Score von 1 besagt, dass Ablenker und FE phonologisch gleich sind, während ein Score von 0 besagt, dass keine Silbeneinheit (Onset, Nucleus, Coda) phonologisch übereinstimmt. Der Score wird dabei aus dem Anteil identischer Laute pro Silbeneinheiten addiert. Aus einer Menge von 809 deutschen Einsilbern unter Ausschluss von Anglizismen und Homophonen wurden für jeden FE die 8 Ablenker mit der größten phonologischen Übereinstimmung ausgewählt. Schließlich wurde die Häufigkeit im deutschen Wortschatz der FE sowie der Ablenkersets verglichen. Bei großen Unterschieden zwischen FE und Ablenker in der Häufigkeit wurden regulierte Korrekturschritte eingeleitet, um eine Annäherung der Häufigkeit zu erreichen. Die neu konzipierten Ablenker wurden schließlich mit den Ablenkern der Arbeit von Kapahnke [3] verglichen.
Ergebnisse: Die neu ausgewählten Ablenker weisen eine durchschnittliche Übereinstimmung der Phoneme von 0,63 (+/-0,07) auf. Demnach stimmen durchschnittlich zwei von drei Silbeneinheiten der Ablenker mit dem FE überein. Im Vergleich dazu betrug die mittlere Übereinstimmung der Ablenker mit dem FE bei Kapahnke [3] 0,48 (+/-0,09). Dies bedeutet, dass durchschnittlich mehr als eine Silbenposition der Ablenker vom FE abweicht. Die statistische Auswertung des Scores zeigte außerdem, dass die Erhöhung der Ähnlichkeit durch die Neukonzipierung der Ablenker signifikant war (gepaarter t-Test, p < 0,001). Die Übereinstimmung der Häufigkeit der Ablenker mit dem jeweiligen FE wurde ebenfalls signifikant erhöht (gepaarter t-Test, p < 0,001).
Schlussfolgerungen: Aufgrund der Überarbeitung der Ablenkersets wird erwartet, dass sich die Diskriminationsfunktionen der geschlossenen und offenen Durchführungsform annähern. Aufgrund der erhöhten Übereinstimmung der Phonologie kann das Verstehen einzelner Silbenpositionen zielgenauer überprüft werden. Der Einfluss der Bekanntheit bei Auswahl eines Wortes sollte durch die Annäherung der Häufigkeit im deutschen Wortschatz ebenfalls reduziert werden können. Die Anwendung beider Testformen in Untersuchungen steht aus und soll über die Vergleichbarkeit Auskunft geben.
References
[1] Brinkmann K. Die Neuaufnahme der "Wörter für Gehörprüfung mit Sprache". Zeitschrift für Hörgeräte-Akustik. 1974;(13):13–40.[2] Brand T, Wittkop T, Wagener K, Kollmeier B. Vergleich von Oldenburger Satztest und Freiburger Wörtertest als geschlossene Versionen. In: 7. DGA Jahrestagung. 2004
[3] Kapahnke S. Erhebung von audiometrischen Kenndaten für den geschlossenen Freiburger Worttest: Diskriminationsfunktion und Reproduzierbarkeit [Dissertation]. Kiel: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel; 2019.



