28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
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Sprachaudiometrie mit OlSa/OlKiSa bei Kindern und Jugendlichen mit Hörschädigung ab Klasse 5: Zusammenhänge zwischen Sprachverständlichkeitsschwelle, Höranstrengung und auditiver Merkfähigkeit
Text
Bisherige Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Sprachverständlichkeit und Höranstrengung [1]. Auch das Arbeitsgedächtnis hat Einfluss auf das Verstehen im Störgeräusch [2].
Der Vortrag präsentiert die Ergebnisse eines Projekts zu den Zusammenhängen zwischen Sprachaudiometrie im Störgeräusch, Höranstrengung und auditiver Merkfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen mit Hörschädigung ab Klasse 5.
Fragestellung:
- Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Sprachverständlichkeit im Störgeräusch, Höranstrengung und auditiver Merkfähigkeit?
- Gibt es weitere, hörgeschädigtenspezifische Einflussfaktoren?
Methoden: Mit insgesamt n=65 hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren mit unterschiedlichen Hörverlustgraden und Versorgungsformen wurde der Oldenburger Satztest (drei Gruppen, 20er Listen) und der Oldenburger Kindersatztest (drei Gruppen, 14er Listen) durchgeführt (männlicher Sprecher, S0N0, Normwerte Erwachsene). Ausgewertet wurde jeweils die dritte Gruppe. Zur Erfassung der auditiven Merkfähigkeit wurde der Subtest „Zahlen nachsprechen“ aus der KABC-II eingesetzt (Normwerte 10;0 –17;11). Die Höranstrengung wurde mit einer 10-stufigen Likert-Skala subjektiv erfasst, von „nicht anstrengend“ bis hin zu „sehr anstrengend“.
Ergebnisse: Im OlSa erzielen die untersuchten Kinder schlechtere Sprachverständlichkeitsschwellen im Störgeräusch als im OlKiSa. Der Unterschied ist signifikant (p<.001). Der OlSa wird von den Kindern insgesamt anstrengender beurteilt als der OlKiSa. Der Unterschied ist signifikant (p<.001).
Es zeigen sich keine signifikanten Unterschiede bei unterschiedlicher Reihung der Testungen, d.h. dass es keinen Einfluss hat, welcher Test zuerst absolviert wird (OlKiSa: p=.64, OlSa: p=.08).
Geschlecht (OlKiSa: p=.68, OlSa: p=.24), Alter (OlKiSa: p=.38, OlSa: p=-.60) und Förderort (Förderzentrum oder inklusive Beschulung) (OlKiSa: p=.46, OlSa: p=.23) spielen keine Rolle für das Ergebnis der Sprachaudiometrie, ebenso wenig gibt es einen Zusammenhang zur auditiven Merkfähigkeit (OlKiSa: p=.27, OlSa: p=.18).
Die subjektiv empfundene Höranstrengung hängt weder mit dem Hörverlustgrad (OlKiSa: p=.91, OlSa: p=.54) noch mit der Art der Hörversorgung (OlKiSa: p=.17, OlSa: p=.77) zusammen. Die Ergebnisse der Regressionsanalyse zeigen jedoch, dass zumindest beim OlKiSa die Höranstrengung signifikant zur Vorhersage der Sprachverständlichkeitsschwelle beiträgt (p=.015). Beim OlSa ist das nicht der Fall.
Je größer der Hörverlust, umso schlechter fällt das Ergebnis der Sprachaudiometrie aus (OlKiSa: p=.002, OlSa: p=.002). CI-Kinder zeigen schlechtere Ergebnisse in der Sprachaudiometrie als Kinder, die mit Hörgeräten versorgt waren (OlKiSa: p=.024, OlSa: p=.006).
Schlussfolgerungen: In unserer Stichprobe zeigen sich keine Zusammenhänge zwischen Sprachverständlichkeitsschwelle und auditiver Merkfähigkeit. Mögliche Gründe und pädagogische Implikationen werden im Beitrag diskutiert.
References
[1] Brännström KJ, Lyberg-Åhlander V, Sahlén B. Perceived listening effort in children with hearing loss: listening to a dysphonic voice in quiet and in noise. Logoped Phoniatr Vocol. 2022 Apr;47(1):1-9. DOI: 10.1080/14015439.2020.1794030[2] Rönnberg J, Holmer E, Rudner M. Cognitive hearing science and ease of language understanding. Int J Audiol. 2019 May;58(5):247-261. DOI: 10.1080/14992027.2018.1551631



