28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Anatomiebasierte Frequenzverteilung im Vergleich zur logarithmischen Standard-Frequenzverteilung bei Cochlea-Implantaten: Eine Untersuchung zur Sprachwahrnehmung und Klangqualität
Text
Fragestellung: Patienten mit schwerem Hörverlust oder vollständiger Taubheit können durch Cochlea-Implantate (CI) ihre auditive Wahrnehmung zurückgewinnen. Viele CI-Träger empfinden das Hören zunächst als fremdartig, und das Sprachverstehen variiert erheblich. Ein möglicher Grund für diese Variabilität könnte die einheitliche Frequenzbandverteilung der CI-Signalverarbeitung sein, welche die Elektrodenposition in der Cochlea nicht berücksichtigt. Die vorliegende Studie untersucht, ob eine anatomiebasierte Frequenzverteilung (ABF) im Vergleich zur konventionellen Standardfrequenzverteilung (STD) eine Verbesserung der Klangqualität und der Sprachwahrnehmung bewirken kann.
Methoden: In dieser Studie wurde die Teilnehmer innerhalb eines Crossover-Designs in zwei Gruppen randomisiert aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt initial die STD und die andere die ABF Frequenzverteilung. Nach drei Monaten wechselten die Teilnehmer zur jeweils anderen Frequenzverteilung für erneut drei Monate. In einem weiteren drei Monatsintervall wurden beide Frequenzverteilungen bereitgestellt und die Teilnehmer konnten ihre präferierte ermitteln. Am jeweiligen Umstellungstermin wurden der Freiburg Einsilber Test (FMS) in Ruhe sowie der Oldenburger Satztest (Olsa) im Störgeräusch durchgeführt. Außerdem wurde die subjektiven Hörqualität Fragebögen erfasst.
Ergebnisse: Von 77 rekrutierten Patienten schieden 23 aus unterschiedlichen Gründen vor Studienende aus. Wesentliche Ursache hierfür war die Umstellung der Frequenzverteilung innerhalb des ersten Umstellungstermins, welche durch Klangänderung, vor allem der eigenen Stimme, nicht akzeptiert wurde. Am Studienende gaben 25 Teilnehmer an, die anatomiebasierte Frequenzverteilung (ABF) zu bevorzugen, während 10 die Standardfrequenzverteilung (STD) favorisierten. 6 Teilnehmer äußerten keine Präferenz. Die Schulnote der Gesamtqualität lag für die anatomiebasierte Frequenzverteilung bei 2 und für die Standardverteilung bei 3 (Medianwerte). Dieser Unterschied war statistisch signifikant (p = 0,0057). Im Freiburg Einsilber Test erreichte die STD-Gruppe 60% und die ABF-Gruppe 57,5% (Mediane, n = 50, p = 0,53). Die SRT-Ergebnisse des Olsa lagen für die ABF-Gruppe bei L50 = -1,0 dB SNR und bei L 50 = -0,75 dB SNR für die STD Gruppe (Subgruppe ohne SSD Fälle, Fälle mit SRT > 8 dB exkludiert, N = 28, p = 0,86).
Die Ergebnisse des SSQ-Fragebogens zeigten im Teilbereich Hörqualität in der ABF-präferierenden Gruppe 5,72 (n=29) und in der STD-präferierenden Gruppe 4,89 (n=11). (p = 0,2265).
Diskussion: ABF zeigte signifikante Vorteile in Bezug auf die subjektive Klangwahrnehmung, sowie die Hörqualität. Allerdings konnte die vorliegende Studie keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf die Sprachverständlichkeit ermitteln. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die langfristigen Auswirkungen der anatomiebasierten Frequenzverteilung auf die Hör- und Lebensqualität der CI-Träger zu klären.



