28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Das vergessene Kind – Umgang mit Geschwisterkindern
Text
Fragestellung: Geschwister von Kindern mit Behinderung nehmen eine oft übersehene, aber zentrale Rolle im Familiensystem ein. Welche Sorgen beschäftigen Eltern? Wie gelingt es ihnen, allen Kindern gerecht zu werden? Und wie können sie mit den Geschwisterkindern umgehen?
Methoden: Auf Basis aktueller Studien wird dargelegt, wie sich die Herausforderungen eines Geschwisterkindes auf die Entwicklung, das Selbstbild und die psychische Gesundheit auswirken können. So legt die Metaanalyse von Vermaes, Susante und Van Bakel [1] dar, dass es signifikant negative Effekte auf das Geschwisterkind gibt. Geschwisterkinder können Verhaltensweisen wie Wut und Aggression, aber auch Depression und Angst entwickeln. In der Geschwisterarbeit soll durch Steigerung der kindlichen Schutzfaktoren, Resilienz bei den Geschwisterkindern entstehen: „Mit Resilienz werden Prozesse beschrieben, die eine positive Anpassung des Individuums trotz vorhandener Risikofaktoren widerspiegeln.“ [2]
Ergebnisse: Ein besonderer Schwerpunkt im Vortrag liegt auf der Frage, wie Eltern in ihrer Erziehungsrolle unterstützt und für die Bedürfnisse der Geschwister sensibilisiert werden können. Abschließend stellt der Beitrag konkrete Praxisansätze aus der Geschwisterarbeit am CIC RheinMain vor – darunter Gruppenangebote, Gesprächsformate und kreative Methoden zur Stärkung der Geschwisterkinder.
Schlussfolgerungen: Ziel des Vortrages ist es, Fachkräfte für die oft „leisen“ Bedürfnisse dieser Kinder zu sensibilisieren und Impulse für eine systemisch gedachte Unterstützung zu geben. Nur so kann die familienzentrierte Arbeit in der gesamten Familie mitgedacht werden.
References
[1] Vermaes IP, van Susante AM, van Bakel HJ. Psychological functioning of siblings in families of children with chronic health conditions: a meta-analysis. J Pediatr Psychol. 2012 Mar;37(2):166-84. DOI: 10.1093/jpepsy/jsr081[2] Renneberg B, Hammelstein P, Hrsg. Gesundheitspsychologie. Berlin/Heidelberg: Springer; 2006. p. 18.



