28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Präzisionsaudiologie in der Hosentasche: Remote-Tests, Big Data und neue Möglichkeiten im CI-Fitting
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Die Nachsorge von Cochlea-Implantat (CI)-Trägerinnen und -Trägern basiert traditionell auf zeitaufwendigen Präsenzterminen zur Anpassung der MAP, begleitet von audiometrischen Freifeldmessungen. Diese gelten häufig als „Goldstandard“, da klinische Messeinrichtungen als weitgehend fehlerfrei wahrgenommen werden. Systematische Untersuchungen [1] und Praxiserfahrungen zeigen jedoch, dass ihre Aussagekraft durch erhebliche Variabilität in Lautsprecheraufstellung und Raumakustik begrenzt ist. Selbst Messungen in zertifizierten Audiometrieräumen führen zu signifikanten Unterschieden in den Sprachtestergebnissen – mit Abweichungen von bis zu 12 dB in den Sprachrezeptionsschwellen je nach Raum und Konfiguration. Damit erweist sich die konventionelle klinische Umgebung als deutlich weniger standardisiert, als häufig angenommen.
Parallel eröffnen die Verfügbarkeit standardisierter Audio-Wiedergabe über Smartphones, Bluetooth-Streaming und die Entwicklung mobiler Nachsorge Apps neue Wege der Präzisionsaudiologie. Remote-Testverfahren oder vom Patienten selbst durchgeführte Hörtests mittels Streaming bieten reproduzierbare Bedingungen ohne raumakustische Einflüsse und ermöglichen eine deutlich engmaschigere Erfassung des individuellen Hörverlaufs und weiterer funktioneller Parameter. In Kombination mit großen multizentrischen Datensätzen und modellbasierten Ansätzen entstehen neue Möglichkeiten für personalisierte Fittingstrategien und datengetriebene Empfehlungen in der CI-Nachsorge.



