28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Phänotypisierung von Schwindelerkrankungen: Neues und Nützliches zur „International Classification of Vestibular Disorders“ (ICVD)
Text
Hintergrund: Seit 2007 erarbeitet die Bárány Society die International Classification of Vestibular Disorders (ICVD), um vestibuläre Symptome und Syndrome weltweit einheitlich zu definieren (frei zugänglich unter: https://www.thebaranysociety.org/icvd-consensus-documents/). Ziel ist die Verbesserung der diagnostischen Präzision, Vergleichbarkeit von klinischen Studien und eine Optimierung der klinischen Versorgung von Patient:innen mit Schwindel und Gleichgewichtsstörungen.
Methoden: Die ICVD basiert auf einem internationalen Konsensusprozess unter Einbezug klinischer Evidenz und Expertenmeinungen. Subkomitees der Bárány Society erarbeiten Diagnosekriterien für spezifische Syndrome, die in Peer-Review-Journalen publiziert und regelmäßig aktualisiert werden.
Ergebnisse: Seit 2012 wurden diagnostische Kriterien für 14 verschiedene vestibuläre Syndrome publiziert. Neben „klassischen“ vestibulären Erkrankungen wie dem M. Menière, der vestibulären Migräne und dem benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel (BPLS) gehören hierzu auch Erkrankungen aus den Überschneidungsbereichen mit anderen Disziplinen, z.B. Pädiatrie („recurrent vertigo of childhood“), Psychiatrie („persistent postural perceptual dizziness“) und Innere Medizin/Kardiologie („vascular vertigo“). Hinzu kommen Konsensusdokumente zur Klassifikation von vestibulären Symptomen und Nystagmen, sowie ein Positionspapier zum „zervikalen Schwindel“. Die Klassifikationen werden in den einzelnen Arbeitsgruppen kontinuierlich überarbeitet, um neue klinische und wissenschaftliche Aspekte zu integrieren (z.B. Bildgebung und Biomarker).
Schlussfolgerung und Ausblick: Die ICVD der Bárány Society ist ein dynamisches und evidenzbasiertes Klassifikationssystem, das die Diagnostik vestibulärer Störungen weltweit standardisiert. Aktuell werden diagnostische Kriterien u.a. für folgende Krankheitsbilder erarbeitet: Perilymphfistel, post-traumatischer Schwindel, kombinierte zerebelläre/vestibuläre Störungen. Zukünftige Schwerpunkte sind u.a.: Multizentrische Validierungsstudien zur globalen Anwendbarkeit, Integration in digitale Gesundheitsplattformen und die weitere interdisziplinäre Vernetzung mit anderen Fachgesellschaften.



