Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
3-Jahres-Daten des Retina.net CCS-Registers
2Münster – Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital
3Hamburg – Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Text
Hintergrund: Das Retina.Net Chorioretinopathia-centralis-serosa-(CCS)-Register sammelt Daten von CCS-Patienten im Rahmen eines internationalen, multizentrischen Ansatzes, um Epidemiologie, Risikofaktoren, klinische Präsentationen sowie Diagnose- und Behandlungsmuster zu analysieren.
Methoden: In dieser multizentrischen Kohortenstudie wurden Patienten mit CCS zwischen Januar 2022 und Januar 2025 an 17 aktiv rekrutierenden Studienzentren in Deutschland und den Niederlanden aufgenommen. Nach Einwilligung zur Teilnahme wurden demografische Daten, Risikofaktoren, Symptome, bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA), Fundusbefunde, Krankheitsstadien sowie diagnostische und therapeutische Entscheidungen erfasst und analysiert.
Ergebnisse: Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden 1.358 Augen von 1.063 Patienten mit CCS eingeschlossen. Nach Ausschluss von 124 Patienten (141 Augen) mit unklarer Klassifikation gingen 939 Patienten (1.217 Augen) in die Analyse ein. Die Studienkohorte umfasste 733 Männer (76,9%) und 220 Frauen (23,1%) mit einem mittleren Alter von 51,3±11,6 Jahren. Frauen waren zum Zeitpunkt der ersten dokumentierten Visite signifikant älter als Männer (54,6±11,1 vs. 49,7±11,2 Jahre; p<0,01). Ein bilateraler Befall fand sich bei 27,7% der Fälle. Zum Zeitpunkt der Baseline wurden 41,2% der Augen als akute CCS, 35,4% als chronische CCS, 14,5% als inaktive CCS und 8,5% als CCS mit sekundärer CNV eingestuft. Häufige Risikofaktoren waren psychischer Stress (40,6%), Rauchen (27,6%), arterielle Hypertonie (24,3%) sowie eine frühere oder laufende Steroidtherapie (21,5%). Die häufigsten Symptome bei Einschluss waren reduzierte Sehschärfe (73,6%), Metamorphopsie (36,6%), relatives Skotom (34,6%), unscharfes Sehen (17,3%) und Dyschromatopsie (8,8%).Die bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) lag bei Erstuntersuchung im Median bei 0,22±0,27 logMAR (≈0,63 dezimal nach Snellen) und war bei chronischen Fällen tendenziell niedriger. Im Verlauf blieb die BCVA insgesamt relativ stabil, zeigte jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Subgruppen: Akute und inaktive CCS besserten sich oder stabilisierten sich, während chronische CCS und CCS mit sekundärer CNV einen kontinuierlichen Rückgang zeigten. Der Visusverlauf hing stark vom Ausgangsvisus ab: Augen mit schlechtem Ausgangsvisus (>0,3 logMAR) starteten auf niedrigerem Niveau und zeigten komplexere, nichtlineare Verläufe als Augen mit gutem Ausgangsvisus. Zudem zeigten sich Einflüsse systemischer Faktoren: Arterielle Hypertonie war mit einem schlechteren Ausgangsvisus assoziiert, psychischer Stress dagegen mit einem besseren Visus. Zum Zeitpunkt des Studieneinschlusses hatten 24% der Augen bereits eine lokale Therapie erhalten, 11% eine medikamentöse Behandlung (z. B. Eplerenon, Acetazolamid), während bei 61% der Augen zunächst eine Watch-and-Wait-Strategie verfolgt wurde. Unter den lokalen Verfahren war die Mikropuls-Lasertherapie am häufigsten (26%), gefolgt von Anti-VEGF-Injektionen bei sekundärer CNV (25%), photodynamischer Therapie (22%), fokalem nichtgepulstem Laser (13%), topischen NSAR (12%) und selektiver Retinatherapie (3%).
Schlussfolgerung: Das Retina.Net CCS Register repräsentiert eine der größten Kohorten europäischer CCS-Patienten. Der Anteil weiblicher Patienten war höher als erwartet, während die Rate beidseitiger aktiver Erkrankungen niedriger ausfiel als antizipiert. Patienten mit initial schlechterem Visus und komplexeren Verläufen zeigten im Verlauf einen deutlicheren Sehschärfeverlust. Das Spektrum der therapeutischen Entscheidungen stellt sich weiterhin sehr heterogen dar. Dies verdeutlicht das aktuell bestehende therapeutische Dilemma und unterstreicht die Notwendigkeit weiterer randomisierter, kontrollierter Therapiestudien.



