Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
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Sterile intraokulare Entzündungen nach Aflibercept 8mg – nicht der Wirkstoff, sondern die Verpackung?
2Neuruppin -Medizinische Hochschule Brandenburg, Theodor Fontane
Text
Hintergrund: Das Erkennen und Behandeln potenzieller entzündlicher Ereignisse nach intravitrealen Injektionen (IVOM) ist von besonderer Bedeutung, insbesondere bei der Anwendung neuer Präparate wie Aflibercept 8mg. Trotz des in klinischen Studien vergleichbaren Sicherheitsprofils zu Aflibercept 2mg, ist die Erfassung dieser Ereignisse in der klinischen Praxis zur adäquaten Risikobewertung erforderlich.
Methoden und Ergebnisse: In dem Zeitraum zwischen März 2024 und September 2025 wurden 577 intravitreale Injektionen mit Aflibercept 8mg bei 121 Patienten verabreicht. 18 Patienten (Alter 77,9±8,14 [63–93] Jahre) entwickelten eine sterile intraokulare Entzündung (IOI) nach Injektion aus der Ampullenform. Alle Patienten berichteten von einem raschen Symptombeginn mit subjektiver Visusminderung 1–3 Tage (Ø 1,9) nach der Injektion und stellten sich klinisch innerhalb von 2 bis 7 (Ø 3,9) Tagen mit Anzeichen einer Entzündung im Glaskörper und in der Vorderkammer vor. Bei sieben Patienten (41,2%) entwickelte sich die IOI nach der ersten Injektion mit Aflibercept 8mg, bei den anderen Patienten (58,8%) nach der zweiten bis siebten Injektion. Zuvor hatten alle Patienten bereits andere intravitreale anti-VEGF-Therapeutika ohne relevante injektionsbedingte Komplikationen erhalten. Die Entzündung klang mit topischen Steroiden und einer initialen antibiotischen Lokaltherapie innerhalb von 3 bis 28 (Median 8) Tagen ab. Bei vier Patienten (23,5%) mit ausgeprägtem intraokularem Reizzustand wurde zudem eine systemische Steroidbehandlung eingeleitet. Zwei Patienten (11,8%) erhielten bei initialer diagnostischer Unsicherheit eine intravitreale Vancomycin-Injektion, darunter ein Patient mit Glaskörperpunktion ohne Erregernachweis. Insgesamt war die funktionelle Erholung des Sehvermögens und des subjektiven Beschwerdebildes gut. Während sich der durchschnittliche bestkorrigierte Visus nach auslösender Injektion um ΔLogMAR 0,41±0,35 (0–1,2) verschlechterte, erholte sich dieser bei klinisch dokumentierter Reizfreiheit wieder um ΔLogMAR 0,27±0,29 (0–0,9).
Schlussfolgerungen: Wir berichten über eine Fallserie von injektionsbedingten okulären Entzündungen nach intravitrealer Injektion von Aflibercept 8mg. Die zugrunde liegende Pathogenese der sterilen Entzündung ist bislang unklar, trat jedoch ausschließlich nach Verabreichung in Ampullenform auf. Zugrundeliegend wird eine immunvermittelte Reaktion auf aggregierte Proteinbestandteile durch Verunreinigungen oder Hilfsstoffe dieser Darreichungsform vermutet. Mit Einführung der Fertigspritzenform im Jahr 2025 wurden keine weiteren Fälle von IOI beobachtet, was einen Zusammenhang mit der Verpackungsform nahelegt. Diese Fälle verdeutlichen die Notwendigkeit klinischer Wachsamkeit zur frühzeitigen Erkennung solcher Komplikationen – selbst angesichts des in den klinischen Studien beobachteten niedrigen Risikoprofils.



