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8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien

Wissenschaftliche Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
13.-14.11.2025
Berlin


Meeting Abstract

Intuitions-basierte Entscheidungen in der Eurythmietherapeutischen Intervention

Katharina Gerlach 1
1Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Fachbereich für Künstlerische Therapien und Therapiewissenschaften, Alfter, Deutschland

Text

Hintergrund und Fragestellung: Eurythmietherapie (EYT) ist eine bewegungsorientierte Mind-Body-Intervention innerhalb der Anthroposophischen Medizin und wird zur Behandlung verschiedener medizinischer und psychologischer Erkrankungen angewendet. Übungen im therapeutischen Prozess werden in der Regel aus einem traditionellen Katalog ausgewählt. Darüber hinaus können die Übungen auch spontan und nach Intuition gewählt werden. Intuition (lat.) bedeutet Empfinden, schnelle Einsicht, Erkenntnis ohne bewusste Ableitung oder Schlussfolgerungen. Mit der Postulierung „die richtige Therapie wird durch Intuition gefunden“ bezieht sich Joop van Damme auf Steiners Idee, dass eine Ärzt:in oder Therapeut:in durch Intuition erst wirklich therapiefähig wird. Bisher wissen wir nicht, welche Rolle intuitionsbasierte Entscheidungen im Bereich der EYT-Interventionen spielen. Wie oft und mit welchem Ergebnis finden sie statt?

Material und Methoden: Über einen Zeitraum von fünf Monaten dokumentierten 11 Therapeut:innen ihre Arbeit mit 41 Patient:innen mit dem EDET-Dokumentationsinstrument. Dokumentiert wurden angewendete Übungen und ihre Wirkung auf die Patient:innen. Wir baten auch darum, intuitiv gewählte Übungen zu beschreiben und diese Entscheidung zu bewerten.

Ergebnisse: Intuitionen für therapeutische Entscheidungen wurden im Behandlungsprotokoll in 15 Fällen angegeben. Insgesamt wurde 58-mal über eine auf Intuition basierende Entscheidung berichtet. 36-mal hatte sich die Entscheidung aus Sicht des Therapeut:innen als richtig erwiesen (62%). Sie beschrieben die Wirkung entweder differenziert, z. B. „fühlte sich danach tief verwurzelt“ oder „sie konnte ihre Mitte besser halten“, oder sie kommentierten mit „gut“ oder „ja“. 22-mal gab es keine weitere Beschreibung. Diese Entscheidungen wurden zwischen 7- und 1-mal pro Fall getroffen. Die Angaben zur positiven Bestätigung variieren im gleichen Maße.

Diskussion und Schlussfolgerung: Intuition spielt tatsächlich eine größere Rolle im EYT-Behandlungsprozess. Die präsentierten Daten zeichnen jedoch kein detailliertes Bild; wir wissen noch nicht, wie Intuition aufgebaut wird und ob es möglicherweise unterschiedliche Ansätze/Definitionen von Intuition in EYT-Prozessen gibt. Als nächster Schritt findet ein Kolloquium mit EYT-Expert:innen statt.