Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
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Reaktive lymphatische Hyperplasie als seltene Differentialdiagnose einer malignomsuspekten Leberläsion bei einer Patientin mit PBC
Text
Hintergrund und Ziel: Die reaktive lymphoide Hyperplasie (RLH; auch Pseudolymphom) ist eine seltene, gutartige Raumforderung, die in verschiedenen Organen auftreten kann und mit Autoimmunerkrankungen assoziiert ist. Aufgrund des bildmorphologisch oftmals malignen Aspekts erfolgt die Diagnose meist erst nach chirurgischer Resektion; histopathologisch finden sich lymphozytäre Infiltrate mit lymphofollikulärer Architektur. Wir schildern den Fall einer hepatischen RLH bei einer Ende 50-jährigen Patientin mit primär biliärer Cholangitis (PBC).
Methode: Eine 62-jährige Patientin stellte sich zur Mitbeurteilung nach Leberwerterhöhung (am ehesten medikamentös-toxischer Genese bei Statineinnahme) in unserer Ambulanz vor. Bei der Abklärung fanden sich positive AMA-M2-Antikörper (129 U/ml), aufgrund normalisierter Leberwerte erfolgte zunächst keine Therapieeinleitung mit Ursodesoxycholsäure (UDCA). Sonographisch zeigte sich im Verlauf eine einzelne 1,6 cm große Leberraumforderung in Segment VII, deren Kontrastverhalten für eine maligne Genese sprach. Auch das kontrastverstärkte MRT legte eine maligne Genese nahe, so dass bei für eine Punktion ungünstiger Lage nach Diskussion im interdisziplinären Tumorboard die primäre chirurgische Resektion empfohlen wurde.
Ergebnis: Die histologische Aufarbeitung zeigte an makroskopisch beschriebener Stelle lymphozytäre Infiltrate mit lymphofollikulärer Architektur. Immunhistochemisch zeigte sich im Bereich der lymphozytären Infiltrate ein innerhalb der Follikel betontes B-lymphozytäres CD20-positives Infiltrat und interfollikulär sowie im übrigen Leberparenchym periportal betont ein CD3-positives T-lymphozytäres Infiltrat. Die Keimzentren waren bcl2-negativ und bcl6- sowie CD10-positiv, so dass die Diagnose einer reaktiven follikulären Hyperplasie gestellt werden konnte. Im angrenzenden Lebergewebe fanden sich diskrete mit einer PBC zu vereinbarende Veränderungen. Eine Therapie mit UDCA wurde eingeleitet, in der Verlaufsbildgebung der Leber fanden sich keine Auffälligkeiten.
Zusammenfassung: Die hepatische RLH ist eine seltene gutartige Leberraumforderung. Betroffen sind überwiegend weibliche Patienten im 6. Lebensjahrzehnt. Eine Assoziation mit der PBC sowie weiteren Autoimmunerkrankungen ist typisch. Wie in dem hier geschilderten Fall, gelingt die Diagnose bei bildmorphologisch malignem Aspekt oftmals erst nach chirurgischer Resektion.



