52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Sexualfunktion von Partnerinnen vor und nach operativer Therapie des Benignen Prostatasyndroms
Text
Einleitung: Die weibliche Perspektive zur operativen Therapie des benignen Prostatasyndroms (BPS) bleibt in der Forschung weitgehend unberücksichtigt. Sexuelle Gesundheit ist ein partnerschaftliches Thema und Veränderungen der männlichen Sexualfunktion nach BPS-Operation können die weibliche Sexualfunktion beeinflussen. Diese Studie untersucht systematisch die Sexualfunktion von Partnerinnen mittels des validierten Female Sexual Function Index (FSFI) vor und nach operativer BPS-Therapie ihrer Partner.
Methodik: Diese unizentrische, prospektive Beobachtungsstudie rekrutiert heterosexuelle Paare (maximal n=90), deren männliche Partner sich einer operativen BPS-Therapie (Rezum™, TURP oder HoLEP) unterziehen. Primärer Endpunkt ist die Veränderung der weiblichen Sexualfunktion gemessen mittels FSFI. Sekundäre Endpunkte umfassen weiblichen sexuellen Distress (FSDS-R), Erektionsfähigkeit (IIEF-15), Lebensqualität (PROMIS-10), und die partnerschaftliche Sexualität (Partner Performance Questionnaire, PPQ; Sexual Life Quality Questionnaire, SLQQ). Einschlusskriterien: Alter >18 Jahre, aktives Sexualleben. Ausschlusskriterien: sexuelles Trauma, Depression, Medikamenteneinnahme mit Einfluss auf die Sexualfunktion. Die Befragungszeitpunkte sind präoperativ sowie 3, 6 und 12 Monate postoperativ.
Ergebnisse: Zwischen Mai 2025 und Dezember 2025 wurden von 181 kontaktierten BPS-Patienten 37 Paare (20,4%) in die Studie eingeschlossen. Die Baseline-Antwortrate betrug 83,8% (31/37 Partnerinnen) und im 3-Monats-Follow-up 70% (21/30). Die FSFI-Analyse (n=19) zeigte einen mittleren Baseline-Score von 17,93 ± 6,90, was eine erhebliche präoperative Beeinträchtigung der Partnerinnen belegt (Cut-off für Dysfunktion ≤26,55). 63% zeigten 3 Monate postoperativ eine Verbesserung des FSFI-Scores, mit einem mittleren Score von 20,14 ± 3,72.
Schlussfolgerung: Diese Analyse zeigt eine präoperative sexuelle Dysfunktion bei 95% der Partnerinnen von BPS-Patienten. Trotz mittlerer Verbesserung des FSFI-Scores 3 Monate postoperativ (+2,21 ± 7,78 Punkte) befanden sich alle Partnerinnen im dysfunktionalen Bereich (≤26,55). Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit einer partnerschaftszentrierten Perspektive in der urologischen Versorgung.



