52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Muster urologischer Notfälle und Zuweisungen
Text
Einleitung: Zentrale Notaufnahmen und urologische Akutambulanzen stehen zunehmend vor Herausforderungen durch unstrukturierten Patient*innenfluss. Ziel dieser Studie war es, Muster urologischer Notfälle an einem tertiären Versorgungskrankenhaus zu analysieren sowie Zuweisungsstrukturen und deren Auswirkungen auf das Patientinnenmanagement zu untersuchen.
Methodik: Retrospektiv wurden urologische Akutvorstellungen des Jahres 2022 am Universitätsklinikum Graz ausgewertet. Anonymisierte Daten wurden über die Stabsstelle Controlling bereitgestellt. Erfasst wurden Datum und Uhrzeit der Vorstellung, Alter, Geschlecht, Art der Zuweisung und des Transports, Leitsymptom, Diagnose, Verfahren sowie die Empfehlung einer medikamentösen Therapie. Es wurden deskriptive Statistiken angewandt. Zusammenhänge wurden mittels Chi Quadrat-Test und Monte-Carlo-Methoden geprüft.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 1.788 Patientinnen eingeschlossen (25,1% davon weiblich). 39,6% stellten sich zwischen 06:00–12:00 Uhr vor, 77,6% ohne Zuweisung und 48,4% per Selbsttransport. Schmerzen waren das häufigste Leitsymptom (33,8%). Am häufigsten wurden katheterassoziierte Probleme (18,8%), Harnwegsinfektionen (16,3%) und Steinleiden (12,5%) diagnostiziert. Es zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Diagnose und Zuweisungsart (p<0,001). Harnwegsinfektionen und Katheterprobleme wurden häufiger von Hausärz*tinnen zugewiesen, Makrohämaturie und Urolithiasis hingegen häufiger von Fachärzt*innen. Harnwegsinfektionen betrafen überwiegend Frauen, Katheterprobleme überwiegend Männer (p<0,001). 49,4% wurden ambulant betreut, 40,1% erhielten eine sofortige Intervention/Operation. Patientinnen ≥65 Jahre erhielten am häufigsten eine sofortige urologische Intervention (p<0,001). Selbstzuweisungen wurden überwiegend ambulant behandelt, während Rettungstransporte häufiger sofortige urologische Maßnahmen erforderten. Infektionen des Urogenitaltrakts führten nahezu immer zu medikamentösen Therapieempfehlungen, katheterassoziierte Probleme selten.
Schlussfolgerung: Ein Großteil urologischer Notfallvorstellungen erfolgt ohne vorherige ärztliche Konsultation und betrifft häufig Beschwerden ohne akuten Behandlungsbedarf. Katheterassoziierte Probleme stellen den häufigsten Vorstellungsgrund dar. Optimierte Primärversorgung (Hausärtz*innen), strukturierte telefonische Beratung und Triage (z.B. telefonische Gesundheitsberatung 1450) und optimierte Kooperationswege könnten den Patient*innenfluss verbessern und Ambulanzen sowie Notaufnahmen entlasten.
Tabelle 1 [Tab. 1], Tabelle 2 [Tab. 2], Abbildung 1 [Abb. 1], Abbildung 2 [Abb. 2], Abbildung 3 [Abb. 3]
Abbildung 2: Darstellung der häufigsten Diagnosen und der Transportart ins Krankenhaus







