52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Prädiktive Faktoren für Frailty bei Prostatakarzinom-Langzeitüberlebenden nach radikaler Prostatektomie: Eine Längsschnitt-Studie
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Einleitung: Altersbedingte Einschränkungen, die sich als Frailty manifestieren, beeinträchtigen sowohl die physische als auch psychische Gesundheit und dadurch die Lebensqualität von Krebspatienten. Längsschnitt-Studien, die prädiktive Faktoren für Frailty untersuchen sind selten, so dass das Ziel dieser Studie war, die Prävalenz der Frailty zu erfassen und soziodemografische, klinische sowie psychologische Prädiktoren für Frailty bei Prostatakarzinom (PCa)-Langzeitüberlebenden nach radikaler Prostatektomie (RP) zu untersuchen.
Methodik: 1.767 PCa-Langzeitüberlebende aus dem nationalen Forschungsprojekt „Familiäres Prostatakarzinom“ füllten den Groningen Frailty Indicator im Durchschnitt 17 Jahre nach RP (T1, 2021) sowie erneut drei Jahre später (T2, 2024) aus. Zudem wurden soziodemografische, klinische sowie psychologische Variablen erfasst. Zur Identifikation potenzieller Prädiktoren für Frailty zum Zeitpunkt des Follow-up (T2) wurde eine multivariable logistische Regressionsanalyse durchgeführt.
Ergebnisse: Das durchschnittliche Alter der PCa-Langzeitüberlebenden betrug zum Zeitpunkt T1 78,0 Jahre (Standardabweichung [SD]=6,4 Jahre), die durchschnittliche Zeit seit RP lag bei 17,1 Jahren (SD=3,7). Die Prävalenz der Frailty (Groningen Frailty Indicator ≥4) stieg von 27,3% (T1) auf 37,3% (T2) an. In der multivariablen logistischen Regressionsanalyse waren signifikante Prädiktoren für Frailty ein höheres Alter (Odds Ratio [OR]: 1,08; 95% Konfidenzintervall [KI]: 1,05–1,10), eine erhöhte Komorbiditätsbelastung (OR: 1,18; 95% KI: 1,14–1,23), depressive Symptome (OR: 1,45; 95% KI: 1,24–1,69) sowie Angstsymptome (OR: 1,48; 95% KI: 1,26–1,73). Mit einem geringeren Risiko für Frailty waren hingegen ein höheres Bildungsniveau (OR: 0,73; 95% KI: 0,55–0,97) sowie eine höhere Lebensqualität (OR: 0,82 pro 10-Punkte-Anstieg; 95% KI: 0,75–0,89) assoziiert.
Schlussfolgerung: 17 Jahre nach erfolgter RP war jeder vierte PCa-Langzeitüberlebende von Frailty betroffen, drei Jahre später sogar jeder dritte. Dies spricht für eine relevante Progression dieses altersassoziierten Syndroms. Die Identifikation klinischer und psychologischer Risikofaktoren für Frailty unterstreicht die Notwendigkeit eines integrierten Versorgungskonzepts mit geriatrischer Diagnostik und gezielten Interventionen zur Verbesserung der Gesundheit bei betroffenen Patienten.



