52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Komorbiditäten aus Patientensicht (SCQ-D) bei Langzeitüberlebenden nach radikaler Prostatektomie: Eine Längsschnittstudie
Text
Einleitung: Langzeitüberlebende nach Prostatakarzinomdiagnose weisen mit zunehmendem Alter neben therapiebedingten Beschwerden eine steigende Komorbiditätslast auf. Zur Erfassung patientenberichteter Komorbiditäten eignet sich die deutsche Version des Self-administered Comorbidity Questionnaires (SCQ-D), die sowohl vorgegebene Krankheitskategorien als auch Freitextangaben umfasst und neben der Prävalenz zusätzlich Informationen zur Behandlung sowie zu alltagsrelevanten Beeinträchtigungen erfasst. Ziel dieser Längsschnittstudie war es, die Prävalenz sowie die Schweregrade patientenberichteter Komorbiditäten bei Langzeitüberlebenden nach Prostatakarzinom im Längsschnitt zu untersuchen.
Methodik: Der SCQ-D wurde im Rahmen der Nachsorgebefragungen 2021 und 2024 an Langzeitüberlebende nach radikaler Prostatektomie (RP) versendet. Freitextangaben wurden zusätzlichen Kategorien zugeordnet. Ergänzend wurden soziodemographische, klinische und psychosoziale Daten (gesundheitsbezogene Lebensqualität mittels QL2; Ängstlichkeit und Depression mittels PHQ-4 und Frailty mittels GFI) erhoben. Veränderungen in der Häufigkeit der Komorbiditäten zwischen 2021 und 2024 wurden analysiert.
Ergebnisse: Die 2.038 analysierten Patienten waren 2024 durchschnittlich 81,3(SD±6,4) Jahre alt und die RP lag im Mittel 20,1(SD±3,7) Jahre zurück. Die mittlere Anzahl an Komorbiditäten stieg von 2,8 [2021] auf 3,1 [2024]. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität zeigte keine Veränderung, blieb auf niedrigem Niveau stabil, während die psychosoziale Belastung der Patienten zunahm. Die häufigsten selbstberichteten Komorbiditäten zu beiden Zeitpunkten [2021/2024] waren Bluthochdruck [61,2%/60,0%], Rückenschmerzen [42,9%/46,9%], Arthrose [36,3%/39,4%], Herzprobleme [31,8%/35,5%] und Krebs [16,3%/20,2%]. Die häufigsten Zusatzkategorien aus Freitextangaben betrafen urologische [6,0%/5,9%], neurologische [4,5%/7,2%] sowie muskuloskelettale [5,0%/4,9%] Probleme. Urologische Probleme wie Inkontinenz oder erektile Dysfunktion wurden vergleichsweise selten angegeben, waren jedoch häufig mit einer deutlichen Beeinträchtigung im Alltag verbunden. Hoch komorbide Patienten [12,3%/16,6%] wiesen im Verlauf eine Abnahme der Lebensqualität sowie eine höhere psychosoziale Belastung auf.
Schlussfolgerung: Die Längsschnittstudie zeigt, dass nicht-tumorbedingte Komorbiditäten bei Langzeitüberlebenden nach RP dominieren. Eine zunehmende Komorbiditätslast über einen Zeitraum von drei Jahren geht mit einer niedrigen gesundheitsbezogenen Lebensqualität und einer Zunahme psychosozialer Belastungen einher. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer kontinuierlichen, patientenzentrierten Nachsorge, die sowohl tumor- als auch nicht tumorbedingte Gesundheitsprobleme berücksichtigt.



