52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Einfluss von Antibiotikatherapie auf die Wirksamkeit von Immuncheckpoint-Inhibitoren beim metastasierten Urothelkarzinom
Text
Einleitung: Eine Antibiotikatherapie (AB) in zeitlichem Zusammenhang mit dem Beginn einer Behandlung mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) kann das Darmmikrobiom verändern und die Wirksamkeit der ICI-Therapie beeinträchtigen. Beim fortgeschrittenen und metastasierten Urothelkarzinom (mUC) liegen bislang nur begrenzte Real-World-Daten zu Patienten*innen vor, die rund um den ICI-Therapiebeginn Antibiotika erhalten haben. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss einer Antibiotikaexposition rund um den Start der ICI-Therapie auf die Therapiedauer sowie auf das Überleben von mUC-Patient*innen zu untersuchen.
Methodik: Es wurden 92 Patient*innen mit metastasiertem Urothelkarzinom (mUC), die zwischen 2016 und 2025 mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) behandelt wurden, retrospektiv analysiert. Die Stratifizierung erfolgte nach Antibiotikaexposition (AB) im Zeitraum von 40 Tagen vor bis drei Monate nach Beginn der ICI-Therapie. Erhoben wurden demografische Daten sowie Indikation, Art und Dauer der Antibiotikatherapie. Gesamtüberleben (OS) und progressionsfreies Überleben (PFS) wurden mittels Kaplan-Meier-Analysen und Log-Rank-Tests verglichen. Der Zusammenhang zwischen Antibiotikaeinsatz und klinischen Endpunkten wurde mittels Cox-Regression evaluiert.
Ergebnisse: Von den 92 eingeschlossenen Patient*innen erhielten 59% innerhalb des definierten Expositionszeitraums eine Antibiotikatherapie, überwiegend aufgrund von Harnwegsinfektionen (50%). Die meisten Antibiotikagaben dauerten ≤ 7 Tage (67%) und in 96% der Fälle gehörten die verabreichten Antibiotika zu Substanzklassen mit starkem Einfluss auf das Darmmikrobiom. Patient*innen ohne Antibiotikaexposition zeigten signifikant bessere Behandlungsergebnisse mit einem medianen progressionsfreien Überleben (PFS) von 11 Monaten (95% CI nicht schätzbar (NS)) gegenüber 2 Monaten (95% CI 1-7; HR 1.99, 95% CI 1.22-3.26; p=0.006) sowie einem medianen Gesamtüberleben (OS) von 27 Monaten (95% CI 15-NS) gegenüber 18 Monaten (95% CI 4-17; HR 2.08, 95% CI 1.26-3.44; p=0.004).
Schlussfolgerung: Eine Antibiotikaexposition in zeitlichem Zusammenhang mit dem Beginn einer Immun-Checkpoint-Inhibitor-Therapie war bei Patient*innen mit metastasiertem Urothelkarzinom mit einem deutlich reduzierten Überleben assoziiert. Obwohl Antibiotika für die Behandlung von Infektionen unverzichtbar bleiben, sind ein zurückhaltender Einsatz sowie die optimierte zeitliche Abstimmung bei Patient*innen, die eine Immuntherapie beginnen, ratsam, um eine mögliche Beeinträchtigung der Wirksamkeit der Behandlung zu minimieren.
Abbildung 1 [Abb. 1]




