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52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie


06.-08.05.2026
Würzburg

Meeting Abstract

Einfluss von Antibiotikatherapie auf die Wirksamkeit von Immuncheckpoint-Inhibitoren beim metastasierten Urothelkarzinom

Julia Weiss - Universitätsklinik für Urologie, Comprehensive Cancer Center, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Anna Lindmaier - Universitätsklinik für Urologie, Comprehensive Cancer Center, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Heinz Prechtl-Herrmann - Universitätsklinik für Urologie, Comprehensive Cancer Center, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Johanna Krauter - Universitätsklinik für Urologie, Comprehensive Cancer Center, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Irene Resch - Universitätsklinik für Urologie, Comprehensive Cancer Center, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Heidemarie Ofner - Universitätsklinik für Urologie, Comprehensive Cancer Center, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Kilian Gust - Universitätsklinik für Urologie, Comprehensive Cancer Center, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Shahrokh F. Shariat - Universitätsklinik für Urologie, Comprehensive Cancer Center, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich
Melanie R. Hassler - Universitätsklinik für Urologie, Comprehensive Cancer Center, Medizinische Universität Wien, Wien, Österreich

Text

Einleitung: Eine Antibiotikatherapie (AB) in zeitlichem Zusammenhang mit dem Beginn einer Behandlung mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) kann das Darmmikrobiom verändern und die Wirksamkeit der ICI-Therapie beeinträchtigen. Beim fortgeschrittenen und metastasierten Urothelkarzinom (mUC) liegen bislang nur begrenzte Real-World-Daten zu Patienten*innen vor, die rund um den ICI-Therapiebeginn Antibiotika erhalten haben. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss einer Antibiotikaexposition rund um den Start der ICI-Therapie auf die Therapiedauer sowie auf das Überleben von mUC-Patient*innen zu untersuchen.

Methodik: Es wurden 92 Patient*innen mit metastasiertem Urothelkarzinom (mUC), die zwischen 2016 und 2025 mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) behandelt wurden, retrospektiv analysiert. Die Stratifizierung erfolgte nach Antibiotikaexposition (AB) im Zeitraum von 40 Tagen vor bis drei Monate nach Beginn der ICI-Therapie. Erhoben wurden demografische Daten sowie Indikation, Art und Dauer der Antibiotikatherapie. Gesamtüberleben (OS) und progressionsfreies Überleben (PFS) wurden mittels Kaplan-Meier-Analysen und Log-Rank-Tests verglichen. Der Zusammenhang zwischen Antibiotikaeinsatz und klinischen Endpunkten wurde mittels Cox-Regression evaluiert.

Ergebnisse: Von den 92 eingeschlossenen Patient*innen erhielten 59% innerhalb des definierten Expositionszeitraums eine Antibiotikatherapie, überwiegend aufgrund von Harnwegsinfektionen (50%). Die meisten Antibiotikagaben dauerten ≤ 7 Tage (67%) und in 96% der Fälle gehörten die verabreichten Antibiotika zu Substanzklassen mit starkem Einfluss auf das Darmmikrobiom. Patient*innen ohne Antibiotikaexposition zeigten signifikant bessere Behandlungsergebnisse mit einem medianen progressionsfreien Überleben (PFS) von 11 Monaten (95% CI nicht schätzbar (NS)) gegenüber 2 Monaten (95% CI 1-7; HR 1.99, 95% CI 1.22-3.26; p=0.006) sowie einem medianen Gesamtüberleben (OS) von 27 Monaten (95% CI 15-NS) gegenüber 18 Monaten (95% CI 4-17; HR 2.08, 95% CI 1.26-3.44; p=0.004).

Schlussfolgerung: Eine Antibiotikaexposition in zeitlichem Zusammenhang mit dem Beginn einer Immun-Checkpoint-Inhibitor-Therapie war bei Patient*innen mit metastasiertem Urothelkarzinom mit einem deutlich reduzierten Überleben assoziiert. Obwohl Antibiotika für die Behandlung von Infektionen unverzichtbar bleiben, sind ein zurückhaltender Einsatz sowie die optimierte zeitliche Abstimmung bei Patient*innen, die eine Immuntherapie beginnen, ratsam, um eine mögliche Beeinträchtigung der Wirksamkeit der Behandlung zu minimieren.

Abbildung 1 [Abb. 1]

Abbildung 1