52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
52. Tagung der Bayerischen Urologenvereinigung und der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
Ist ein Verzicht auf systematische Biopsiezylinder möglich? Prädiktive Faktoren für die Suffizienz der kognitiven transperinealen Prostatbiopsie
Text
Einleitung: Der transperineale Zugangsweg unter Lokalanästhesie gewinnt aufgrund niedriger Infektionsraten und eines verbesserten Zugangs zu anterioren und apikalen Prostataarealen zunehmend an Bedeutung. Obwohl die MRT-gezielte Biopsie die Prostatakarzinomdiagnostik wesentlich verbessert hat, bleibt die Notwendigkeit zusätzlicher systematischer Biopsiezylinder weiterhin umstritten, insbesondere wenn eine kognitive Zielbiopsie potenziell ausreichend sein könnte.
Methodik: Diese prospektive Beobachtungsstudie schloss 132 Männer mit erhöhtem PSA-Wert und/oder auffälliger digital-rektaler Untersuchung ein, bei denen in der multiparametrischen MRT mindestens eine Läsion mit PI-RADS ≥3 nachgewiesen wurde. Bei allen Patienten wurden sowohl systematische Biopsien (12 Zylinder) als auch kognitive zielgerichtete Biopsien (≥3 Zylinder pro Läsion) durchgeführt. Der primäre Endpunkt war die Überlegenheit der kognitiven Biopsie, definiert als ein ISUP-Grad ≥ dem der systematischen Biopsie. Univariate und multivariate logistische Regressionsanalysen sowie ROC-Analysen wurden zur Bewertung der diskriminativen Leistungsfähigkeit durchgeführt.
Ergebnisse: Von 132 Patienten wurden bei 88 ein Prostatakarzinom diagnostiziert. Die kognitive Biopsie war bei 60 Patienten gleichwertig oder überlegen (Gruppe 1) und bei 28 Patienten unterlegen (Gruppe 2). Patienten der Gruppe 1 wiesen signifikant höhere PSA-Werte, PSA-Dichten, größere Läsionen und höhere PI-RADS-Kategorien auf (alle p<0,01). In der multivariaten Analyse erwiesen sich eine PSA-Dichte ≥0,15 ng/ml² (OR 6,18; p=0,006), eine Läsionsgröße ≥10 mm (OR 4,52; p=0,021) sowie PI-RADS 4–5 (OR 7,18; p=0,005) als unabhängige Prädiktoren für die Überlegenheit der kognitiven Biopsie. Das kombinierte Modell zeigte eine exzellente Diskriminationsleistung (AUC 0,904; Sensitivität 88,3%, Spezifität 82,1%). Fünf Patienten wurden falsch klassifiziert; in zwei Fällen wäre klinisch signifikantes Karzinom (ISUP ≥2) bei ausschließlicher kognitiver Biopsie übersehen worden.
Schlussfolgerung: Die kognitive transperineale Prostatabiopsie kann bei Patienten mit erhöhter PSA-Dichte, größeren Läsionen und hohen PI-RADS-Kategorien systematische Biopsiezylinder zuverlässig ersetzen. Ein selektiver Verzicht auf systematische Probenahmen könnte die Diagnostik vereinfachen und Morbidität reduzieren, bedarf jedoch einer Validierung in größeren multizentrischen Kohorten.



