Logo

66. Jahrestagung der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e. V.

Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie e. V.
10.-13.06.2026
Koblenz

Meeting Abstract

Nachhaltige Wirksamkeit einer App-basierten Therapie bei weiblicher Harninkontinenz: 48-wöchige Nachbeobachtung einer randomisierten kontrollierten Studie

Lisa Frey - Universisätsmedizin Mainz, Johannes-Gutenberg-Universität, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Mainz, Deutschland
A. Haferkamp - Universisätsmedizin Mainz, Johannes-Gutenberg-Universität, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Mainz, Deutschland
G. Duwe - Universisätsmedizin Mainz, Johannes-Gutenberg-Universität, Klinik für Urologie und Kinderurologie, Mainz, Deutschland
H. Börner - Klinikum Darmstadt, Urologische Klinik, Darmstadt, Deutschland
W. Lehmacher - Universität zu Köln, Institut für Medizinische Statistik und Bioinformatik, Köln, Deutschland
K.A. Brocker - Praxis für Gynäkologie und Geburtshilfe (ZKM), Karlsruhe, Deutschland
E. Krieger - Kranus Health GmbH, Klinische Forschung, München, Deutschland
K. Miller - Kranus Health GmbH, Klinische Forschung, München, Deutschland; Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Urologie, Berlin, Deutschland
L. Wiemer - Kranus Health GmbH, Klinische Forschung, München, Deutschland; Charité – Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Urologie, Berlin, Deutschland
P. Papp - Kranus Health GmbH, Klinische Forschung, München, Deutschland

Text

Einleitung: Digitale Therapeutika sind vielversprechend für die Behandlung von Harninkontinenz, jedoch liegen nur wenige Daten zur langfristigen Wirksamkeit vor. Wir haben untersucht, ob die mit einer App-basierten multimodalen Therapie erzielten Verbesserungen über 48 Wochen anhalten und ob der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns die Behandlungsreaktion beeinflusst.

Methode: Diese vorab festgelegte 48-wöchige Nachbeobachtung der DINKS-Wartelisten-kontrollierten randomisierten Studie begleitete erwachsene Frauen (≥ 18 Jahre) mit Stress-, Drang- oder gemischter Harninkontinenz aus ganz Deutschland. Die Teilnehmerinnen erhielten entweder eine sofortige App-basierte Therapie oder eine verzögerte Therapie nach einer 12-wöchigen Warteliste. Die App bot Beckenbodentraining, Blasentraining, kognitive Verhaltensstrategien und Lebensstilberatung. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der ICIQ-UI-SF-Werte gegenüber dem Ausgangswert, analysiert mittels ANCOVA, angepasst an die Ausgangswerte. Studienregistrierung: NCT06389838.

Ergebnisse: Nach 12 Wochen zeigte die Interventionsgruppe eine signifikant größere Verbesserung als die Kontrollgruppe (mittlere Differenz −3,94 Punkte, 95% KI −4,74 bis −3,14; p < 0,001). Nachdem beide Gruppen die Intervention erhalten hatten, glichen sich die Ergebnisse an (12 Wochen nach der Intervention: adjustierte Differenz 0,73, 95% KI −0,25 bis 1,71; p = 0,14). Die Verbesserungen hielten über 48 Wochen an (mittlere ICIQ-UI-SF-Reduktionen 3,83–4,28 Punkte), wobei 75–82% eine klinisch bedeutsame Reaktion aufrechterhielten. Explorative Post-hoc-Analysen ergaben keine Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen der Nutzung der App und den Ergebnissen. Nach 48 Wochen setzten 51% (42/82) die unabhängigen Beckenbodenübungen ohne Unterstützung durch die App fort. Es traten keine behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse auf.

Schlussfolgerung: Die App-basierte multimodale Therapie führt zu dauerhaften Verbesserungen, die mindestens 48 Wochen anhalten. Der Zeitpunkt des Beginns der Intervention hat keinen Einfluss auf die langfristige Wirksamkeit, was die Umsetzung insbesondere aufgrund von Kapazitätsengpässen im Gesundheitswesen unterstützt. Etwa die Hälfte der Teilnehmerinnen schaffte erfolgreich den Übergang zum selbstständigen Selbstmanagement, dies zeigt, dass sie Fähigkeiten erworben haben und über das digitale Tool hinaus gestärkt wurden. Die Privatsphäre und Zugänglichkeit der App-basierten Behandlung beseitigen Hindernisse für die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen, darunter auch Stigmatisierung. Diese Ergebnisse bestätigen digitale Therapeutika als wirksame Erstbehandlung, die möglicherweise das Fortschreiten der Erkrankung bis zur Operation verringert und gleichzeitig die Gesundheitsgerechtigkeit für Frauen durch einen verbesserten Zugang und bessere Selbstmanagementfähigkeiten verbessert.