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99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte


31.10.2026
Fulda

Meeting Abstract

MIBS: XEN oder PRESERFLO? Patientenselektion und praktische Entscheidungsfindung

Salaheddin El Mourad - Ludwigshafen
L.-O. Hattenbach - Ludwigshafen

Text

Hintergrund und Ziel: Die mikroinvasive blebbildende Glaukomchirurgie (Minimally Invasive Bleb Surgery, MIBS) stellt eine wichtige Erweiterung des chirurgischen Behandlungsspektrums beim Offenwinkelglaukom dar. Mit dem XEN Gel Stent und dem PRESERFLO MicroShunt stehen zwei blebbildende Verfahren zur Verfügung, die den Augeninnendruck über einen subkonjunktivalen Abfluss senken. Trotz eines ähnlichen therapeutischen Prinzips unterscheiden sich beide Verfahren hinsichtlich Implantatdesign, chirurgischem Vorgehen und postoperativem Management. Ziel des Vortrags ist es, anhand klinischer Beispiele die wesentlichen Unterschiede zwischen XEN und PRESERFLO praxisnah gegenüberzustellen und Kriterien herauszuarbeiten, die bei der individuellen Wahl des geeigneten Verfahrens berücksichtigt werden sollten.

Methoden: Es erfolgte eine selektive Auswertung eigener klinischer Fälle sowie der aktuellen Literatur mit besonderem Fokus auf direkte Vergleichsstudien zwischen XEN und PRESERFLO. Berücksichtigt wurden insbesondere die Senkung des intraokularen Drucks (IOD), die Reduktion der drucksenkenden Medikation, postoperative Interventionen und Komplikationen sowie technische und klinische Aspekte beider MIBS-Verfahren.

Die Literaturergebnisse werden durch ausgewählte klinische Fallbeispiele aus dem eigenen operativen Alltag ergänzt und hinsichtlich ihrer praktischen Bedeutung diskutiert.

Ergebnisse: Sowohl XEN als auch PRESERFLO ermöglichen eine relevante Senkung des IOD und eine deutliche Reduktion der drucksenkenden Medikation. Direkte Vergleichsstudien zeigen insgesamt gute Erfolgsraten für beide MIBS-Verfahren. Für PRESERFLO findet sich in mehreren Untersuchungen eine Tendenz zu niedrigeren postoperativen IOD-Werten und einem häufigeren Erreichen niedriger Ziel-IOD-Werte.

Gleichzeitig unterscheiden sich beide Verfahren hinsichtlich des operativen Zugangs und des postoperativen Managements. Ein generell überlegenes Verfahren lässt sich aus der aktuellen Datenlage nicht ableiten. Vielmehr gewinnen individuelle Faktoren wie Glaukomstadium, angestrebter Ziel-IOD, Ausgangsdruck, Voroperationen, Bindehautsituation und der postoperative Betreuungsbedarf an Bedeutung.

Schlussfolgerung: MIBS ist kein einheitliches Verfahren, sondern umfasst unterschiedliche operative Konzepte mit spezifischen Vor- und Nachteilen. Die Frage „XEN oder PRESERFLO?“ lässt sich nicht allein anhand der durchschnittlichen Drucksenkung beantworten. Entscheidend ist vielmehr eine individualisierte Auswahl des MIBS-Verfahrens anhand des Glaukomstadiums, des angestrebten Ziel-IOD, der okulären Ausgangssituation und des zu erwartenden postoperativen Managements. Ein konsequentes Bleb-Management bleibt bei beiden Verfahren ein wesentlicher Faktor für den langfristigen chirurgischen Erfolg.