99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
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Kanaloplastik mit suprachoroidaler Drainage: Langzeit-Ergebnisse und klinischer Stellenwert bei Glaukomerkrankungen – Frühverlauf, Frühwarnzeichen und Stufenkonzept
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Hintergrund: Die Kanaloplastik mit suprachoroidaler Drainage (KP-scD) senkte in einer Saarbrücker Kohorte (278 Augen) den Augeninnendruck (IOD) über bis zu 10 Jahre stabil auf etwa 14 mmHg. Wenig untersucht sind der frühe postoperative Verlauf, frühe Prädiktoren für einen Folgeeingriff und der Stellenwert des 360°-Fadenzugs.
Methoden: Retrospektiv ausgewertet wurden alle KP-scD an der Augenklinik Fulda von 10/2023 bis 09/2026: 333 Augen von 248 Patienten, davon 39% mit Phakoemulsifikation kombiniert. Die IOD-Werte gingen bis zum ersten drucksenkenden Folgeeingriff in die Auswertung ein. Den Einfluss des IOD am 1. postoperativen Tag prüften wir mit logistischer Regression, bereinigt um Phako, Ausgangsdruck, PEX-Glaukom und Kathetertyp. Die Klinik-Nachbeobachtung betrug im Median 40 Tage.
Ergebnisse: Präoperativ lag der IOD bei 19,5 ± 5,0 mmHg unter 3,2 Wirkstoffen. Der postoperative Verlauf folgte einem typischen Muster: 10,7 ± 5,1 mmHg am 1. Tag, Wiederanstieg auf 16,1 ± 6,0 mmHg in Woche 1–4, danach 15,4 ± 5,4 mmHg in Monat 1–3. Augen ohne Folgeeingriff erreichten nach etwa einem Jahr 13,8 ± 2,9 mmHg (n = 29) unter 1,3 Wirkstoffen; in Saarbrücken waren es nach 12 Monaten 14,4 ± 3,0 mmHg. Bei einem Tag-1-IOD ≥ 18 mmHg folgte bei 50% der Augen später ein Folgeeingriff, bei niedrigerem Tag-1-IOD bei 17% (p < 0,001; OR 1,15 pro mmHg, 95%-KI 1,08–1,23). Einen 360°-Fadenzug erhielten 60 Augen (18%), im Median nach 115 Tagen. Er senkte den IOD von 22,0 auf 14,0 mmHg (n = 40). Frühe Druckspitzen über 21 mmHg normalisierten sich bei 39% der Augen mit bekanntem Verlauf ohne Eingriff. Eine PreserFlo-Implantation war bei 4,5% der Augen nötig, überwiegend nach Fadenzug, eine Zyklophotokoagulation bei 1,8%. An Komplikationen traten ein Hyphäma bzw. Mikrohyphäma bei 49% und eine vorübergehende Hypotonie bzw. Aderhautschwellung bei 10,5% auf. Eine Endophthalmitis wurde nicht beobachtet.
Schlussfolgerung: Augen ohne Folgeeingriff erreichten in Fulda nach etwa einem Jahr einen IOD von 13,8 mmHg; die Saarbrücker Kohorte lag nach 12 Monaten bei 14,4 mmHg. Auf den niedrigen Druck am 1. Tag folgt in den ersten Wochen häufig ein Wiederanstieg. Ein Tag-1-IOD ≥ 18 mmHg ist ein Warnzeichen für einen späteren Folgeeingriff. Der 360°-Fadenzug senkte den IOD wirksam und ergänzt die Kanaloplastik als zweite Stufe. Weil frühe Druckspitzen sich häufig ohne Eingriff zurückbilden, erfolgte er überwiegend erst nach der 6. Woche. Eine PreserFlo-Implantation war nur bei 4,5% der Augen notwendig, meist nach vorausgegangenem Fadenzug.



