99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
Vergleich der prä- und postoperativen Tomographie beim Keratokonus nach einmaligem versus wiederholtem Crosslinking
Text
Ziel: Der Keratokonus (KK) ist eine progressive ektatische Erkrankung der Hornhaut, die zu irregulärem Astigmatismus und einer Visusminderung führt. Die Diagnose erfolgt primär mittels Scheimpflug-Tomographie (Pentacam). Eine Progression wurde in dieser Studie definiert als eine Zunahme der maximalen anterioren Keratometrie (Kmax) um > 1,0 Dioptrie (D), eine Zunahme des anterioren Astigmatismus (AstiF) um > 1,0 D oder eine Abnahme der dünnsten Hornhautpachymetrie (TCT) um ≥ 20,0 µm. Das korneale Crosslinking (CXL) stellt die Standardtherapie zur Progressionshemmung dar. Ziel der vorliegenden Studie war es, die tomographischen Parameter von KK-Patienten zu vergleichen, bei denen ein einmaliges bzw. wiederholtes beschleunigtes CXL (ACXL) durchgeführt wurde und möglicherweise Parameter zu identifizieren, die auf die zukünftige Notwendigkeit einer erneuten Behandlung hindeuten könnten.
Methode: In diese retrospektive Kohortenstudie wurden insgesamt 46 Augen von 46 Patienten eingeschlossen. Davon wurden 37 Patienten (mittleres Alter: 27,1 ± 11,1 Jahre; 30 Männer und 7 Frauen) mit einmaligem ACXL (sCXLG) behandelt. Zusätzlich wurden 9 Patienten (mittleres Alter: 20,7 ± 6,4 Jahre; 8 Männer und 1 Frau) eingeschlossen, bei denen eine wiederholte Behandlung notwendig wurde (rCXLG). Die tomographischen Parameter umfassten die anteriore flache Keratometrie (K1F), die anteriore steile Keratometrie (K2F), die anteriore mittlere Keratometrie (KmF), die Kmax, die posteriore flache Keratometrie (K1B), die posteriore steile Keratometrie (K2B), die posteriore mittlere Keratometrie (KmB), den AstiF, den posterioren Astigmatismus (AstiB), die TCT, den anterioren Krümmungsradius (ARC) und posterioren Krümmungsradius (PRC) sowie den Belin-Ambrósio Deviation Display (BAD-D). Die Daten wurden präoperativ sowie 6 und 12 Monate postoperativ gesammelt. Für die sCXLG wurden die Daten zusätzlich 3,5 Jahre nach der ACXL angewendet. Die statistische Analyse wurde mittels GraphPad Prism durchgeführt.
Ergebnis: In beiden Gruppen waren signifikant mehr Männer eingeschlossen. Zwischen initialem und wiederholtem ACXL betrug das mittlere Intervall 3,5 ± 2,2 Jahre (Median: 2,4 Jahre). In der sCXLG zeigte sich 12 Monate nach dem ACXL eine signifikante Abflachung der anterioren Keratometrieparameter (K1F: p = 0,001; K2F: p = 0,001; KmF: p = 0,0003). In der rCXLG wurden nach dem initialen ACXL keine signifikanten Veränderungen beobachtet. Die fehlende Abflachung dieser Parameter deutet auf ein unzureichendes initiales Therapieansprechen und den Bedarf für ein wiederholtes ACXL hin. 12 Monate nach dem wiederholten ACXL zeigte sich in der rCXLG eine signifikante Reduktion von K2F (p = 0,002) und KmF (p = 0,02), was auf ein gutes Ansprechen auf das wiederholte ACXL hinweist. Darüber hinaus war der K2F-Wert in der rCXLG im Langzeitverlauf im Vergleich zur sCXLG signifikant steiler (p = 0,046).
Schlussfolgerung: Das Ausbleiben einer signifikanten Abflachung der anterioren Keratometrieparameter (K1F, K2F, KmF) ein Jahr nach ACXL ist mit einer erneuten Progression assoziiert, die im weiteren Verlauf im Mittel nach 3,5 Jahren eine weitere ACXL-Behandlung erfordert. Das wiederholte ACXL zeigte eine signifikante Abnahme von K2F und KmF und bestätigt damit seine Wirksamkeit bei progressivem KK.



