99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
99. Versammlung des Vereins Rhein-Mainischer Augenärzte
Von harmlos bis letal: Neue Strategien in der Differentialdiagnose melanozytärer Läsionen der Aderhaut
Text
Aderhautnävi sind gutartige, asymptomatische pigmentierte Veränderungen der Aderhaut und treten bei etwa 5–6% der Menschen über 40 Jahren auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Aderhautnävus zu einem malignen Melanom entwickelt, wird mit einer Häufigkeit von etwa 1:8.845 angegeben. Bei unklarer Dignität wird der Befund in der internationalen Literatur als melanozytäre Läsion bezeichnet, um die diagnostische Unsicherheit zum Ausdruck zu bringen. Klinische Kriterien können die Differenzialdiagnose zwischen melanozytärer Läsion und frühem uvealem Melanom unterstützen, erlauben jedoch keine gesicherte Diagnose Derzeit gelten der größte basale Tumordurchmesser und die Tumordicke – beziehungsweise das sich daraus ergebende Tumorvolumen – als wesentliche klinische Risikofaktoren für die Entwicklung von Metastasen. Die TFSOM-DIM Regel gestattet die Abschätzung des Risikos für Tumorwachstum. Die MOLES-Klassifikation lässt Schlüsse auf eine Malignität der suspekten Läsion zu. Beide Regeln basieren allerdings auf klinischen Serien ohne histopathologische Befunde oder molekulargenetische Differenzierung. Die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung bei melanozytären Läsionen mit einem maximalen basalen Durchmesser unter 3 mm und einer Tumordicke unter 1 mm ist außerordentlich gering. Eine gesicherte Diagnose kann durch eine Gewebebiopsie gestellt werden. Legt man bei größeren Tumoren zusätzliche Risikofaktoren wie ein Alter über 60 Jahre und eine Tumordicke über 2 mm zugrunde, so ist in etwa jedem vierten Fall von einem Hochrisiko-Tumor auszugehen Die Flüssigbiopsie gewinnt bei entsprechender Sensitivität zunehmend an Bedeutung, ist jedoch bislang nicht ausreichend validiert und steht noch nicht für die klinische Routine zur Verfügung.



