Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Deutscher Rheumatologiekongress 2026
Aktualisierte Empfehlungen der DGRh-Kommission für komplementäre Heilverfahren und Ernährung zur Anwendung von ausgewählten Phytotherapeutika in der Rheumatologie
Text
Einleitung: Heilpflanzen und ihre Zubereitungen stoßen bei vielen Patienten mit rheumatischen Erkrankungen auf großes Interesse. Die DGRh-Kommission für Komplementäre Heilverfahren und Ernährung (KHE) hat im Jahre 2023 damit begonnen, die wissenschaftliche Literatur zu ausgewählten Phytotherapeutika und pflanzlichen Präparaten zu sichten und Möglichkeiten für ihre Anwendung in der Rheumatologie zu prüfen. Nachdem 2025 erste Ergebnisse veröffentlicht wurden, folgte im gleichen Jahr die Begutachtung weiterer Präparate.
Methoden: In einer Online-Sitzung der Kommission KHE am 7.1.2025 wurde eine weitere Liste von Phytotherapeutika erstellt, die in der Rheumatologie häufig Anwendung finden (meist als Selbstmedikation). Mitglieder der Kommission führten daraufhin Literaturrecherchen zu diesen pflanzlichen Präparaten durch und fassten die Ergebnisse nach einer vorab vereinbarten Matrix zusammen. Dabei wurde zu Beinwell, Bergwohlverleih (Arnica), Curcuma, Ingwer, Katzenkralle (Uncaria tomentosa), Knoblauch, Kohlblättern, Mariendistel, Schachtelhalm, Teufelskralle (Harpagophytum), Weihrauch (Boswellia) und Wilfords Dreiflügelfrucht (Tripterygium wilfordii) recherchiert, sowie zu Pycnogenol, einem Extrakt aus der Rinde der Seekiefer (Pinus pinaster). Die Ergebnisse wurden im Umlaufverfahren überprüft und in einer Online-Sitzung der Kommission KHE konsentiert.
Ergebnisse: Für alle untersuchten Pflanzenstoffe liegen Berichte über entzündungshemmende oder immunologische Effekte in vitro und/oder im Tiermodell vor. Die Evidenz für einen klinisch relevanten Nutzen ist jedoch sehr spärlich. Für keines der untersuchten Präparate kann eine Anwendung bei entzündlichen Gelenkerkrankungen empfohlen werden. Wenn Arnica, Beinwell, Curcuma, Ingwer, Katzenkralle, Knoblauch, Kohlblätter, Pycnogenol, Teufelskralle oder Weihrauch bei degenerativen Gelenkerkrankungen auf Patienten-Initiative eingenommen werden, müssen Rheumatologen nicht abraten, wenn ansonsten ein sinnvolles Therapiekonzept eingehalten wird. Ingwer, Knoblauch und Curcuma in natürlicher Form können als Lebensmittel im Rahmen einer gesundheitsbewussten Ernährung empfohlen werden.
Schlussfolgerung: Auch die wissenschaftliche Analyse einer zweiten Serie von pflanzlichen Präparaten hat gezeigt, dass der Stellenwert der Phytotherapie für das Fachgebiet gering ist. Dabei müssen die hier vorgestellten pflanzlichen Präparate für die rheumatologische Praxis jedoch differenziert betrachtet werden.
Offenlegungserklärung: Die Autoren erklären, dass zu dem besprochenen Thema keine Interessenkonflikte bestehen.



