Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Anhaltende Remission eines refraktären Anti-Jo-1-Antisynthetase-Syndroms unter Teclistamab: 1-Jahres-Follow-up
Text
Einleitung: Erste Daten deuten daraufhin, dass beim Antisynthetase-Syndrom (ASyS) der bispezifische T-Zell-Engager (BiTEs), wie der BCMAxCD3- BiTE Teclistamab, kurzfristig wirksam sein können [1], [2]. Ob eine nachhaltige immunologische Reprogrammierung, Autoantikörperelimination sowie langfristige Wirksamkeit und Sicherheit erreicht werden können, ist bislang unklar.
Methoden: Ein 57-jähriger Patient mit rasch progredientem, Anti-Jo-1-positivem ASyS (Krankheitsdauer 6 Monate) mit schwerer interstitieller Lungenerkrankung, inflammatorischer Myopathie und Perimyokarditis zeigte trotz intensiver immunsuppressiver Therapie (Glukokortikoide, Cyclophosphamid, intravenöse Immunglobuline, Rituximab, Tofacitinib) eine progrediente Verschlechterung. Aufgrund limitierter Therapieoptionen erfolgte eine Off-Label-Behandlung mit Teclistamab im Step-up-Regime. Alle immunsuppressiven Vorbehandlungen wurden beendet, Prednisolon bis Woche 12 ausgeschlichen. Die Nachbeobachtung betrug 12 Monate und umfasste erneut eine Muskelbiopsie mit Bulk-RNA-Sequenzierung und Spatial Transcriptomics.
Ergebnisse: Teclistamab zeigte ein günstiges Sicherheitsprofil ohne Auftreten von Zytokinfreisetzungssyndrom oder Neurotoxizität traten nicht auf. Die unter Therapie aufgetretene Hypogammaglobulinämie erwies sich als gut beherrschbar und war durch wiederholte IVIG-Gaben (Wochen 12, 20, 26, 29, 34, 38, 49) effektiv kontrolliert.
Es kam zu einer raschen klinischen (TIS-Response 75%), laborchemischen, bildgebenden, serologischen und histologischen Verbesserung mit Serokonversion aller Autoantikörper (Abbildung 1A-B [Abb. 1]). Eine vollständige Depletion von Plasmazellen im Knochenmark wurde bis Woche 8 erreicht, gefolgt von einer B-Zell-Rekonstitution ab Woche 36. Eine Leichtketten-Rekonstitution zeigte sich nach 10 Monaten.
Abbildung 1: (A) Klinisches und laborchemisches sowie (B) serologisches und immunologisches Ansprechen im 1-Jahres-Follow-up nach Teclistamab-Therapie. (C) Ergebnisse der Bulk-RNA-Sequenzierung aus Muskelbiopsien vor und nach Teclistamab-Therapie: Boxplots der Genexpression (log2(TMM+1)) ausgewählter repräsentativer Gene vor (Pre-Tec) und nach (Post-Tec) Therapie im Vergleich zur Negativkontrolle (NT, normales Gewebe) und Positivkontrolle (Anti-Jo1). Es zeigt sich eine deutliche Reduktion von B- und T-Zell-Markern sowie von Interferon-γ-, inflammationsassoziierten und HLA-Genen nach Therapie.
Eine Muskelbiopsie nach 3 Monaten zeigte eine deutliche Reduktion von Nekrosen, Komplementablagerungen sowie der B-/Plasmazellinfiltration. Die Bulk-RNA-Sequenzierung zeigte ein Verschwinden von Plasmazellmarkern (SDC1, IGHGP) sowie einen Rückgang ASyS-typischer Gene (z.B. EGR4) und Typ-II-IFN-Signalwege, zusätzlich eine Herunterregulation von T-Zell-Markern (CD8B, GZMB, GZMH, PRF1) (Abbildung 1C [Abb. 1]). Eine erneute Muskelbiopsie nach einem Jahr bestätigte die anhaltende Remission.
Nach 12 Monaten bestand eine anhaltende klinische Remission bei voller beruflicher Leistungsfähigkeit mit Normalisierung des MMT-8 (115→150/150), Normalisierung aller Biomarker bis Woche 18 (CK, CK-MB, Myoglobin, Troponin), deutlicher Besserung der Perimyokarditis im Kardio-MRT sowie signifikanter pulmonaler Verbesserung (FVC +46%, DLCO +29 %, KCO +31%). Die CT-Thorax-Untersuchung nach 12 Monaten zeigte eine nahezu vollständige Rückbildung der interstitiellen Veränderungen.
Schlussfolgerung: Teclistamab induzierte eine anhaltende klinische, immunologische und serologische Remission bei therapierefraktärem ASyS. Die Ergebnisse sprechen für BCMA als relevantes therapeutisches Ziel bei inflammatorischen Myopathien. Prospektive Studien zur Bestätigung der langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit sind erforderlich.
References
[1] Phithak E, Albach FN, Minopoulou I, Biesen R, Kleyer A, Wiebe E, Siegert E, Scholz V, Rehm M, Cheng Q, Sattler A, Bianco S, Fleischmann A, Hermann KG, Walter-Rittel T, Wagner M, Zernicke J, Casteleyn V, Nielsen M, Rose T, Busse A, Hütter-Krönke ML, Keller U, Schneider U, Kawelke L, Ruffer N, Stenzel W, Krönke G, Simon D, Alexander T. Teclistamab-induced rapid remission in refractory Anti-Jo-1 Antisynthetase Syndrome. Ann Rheum Dis. 2026 Jan;85(1):212-215. DOI: 10.1016/j.ard.2025.09.012[2] Düsing C, Györfi AH, Stütz AN, Lahu LM, Deicher FS, Li YN, Bruch PM, Matei AE, Micu A, Filla T, Koziel S, Hölscher AS, Röhrich M, Lorenz HM, Cramer M, Antoch G, Timm J, Abusabha Y, Ruck T, Homey B, Kreuter A, Buehring B, Radujkovic A, Heußel CP, Hagen M, Grieshaber-Bouyer R, Schett G, Brunn A, Dietrich S, Merkt W, Distler JHW. Bispecific T cell engagers for treatment-refractory autoimmune connective tissue diseases. Nat Med. 2026 Apr;32(4):1530-1542. DOI: 10.1038/s41591-026-04238-4



