Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Sicherheit und Wirksamkeit von Cizutamig, einem BCMA×CD3-bispezifischen T-Zell-Engager, bei schwerer diffuser kutaner systemischer Sklerose
Text
Einleitung: Die diffus kutane systemische Sklerose (dcSSc) ist eine chronisch progrediente Autoimmunerkrankung mit hoher Morbidität und begrenzten Therapieoptionen, bei der B- und Plasmazellen eine zentrale Rolle spielen (Volkmann et al. Lancet 2023; Scaletti C et al. Clin Exp Immunol 2025). BCMA-gerichtete bispezifische Antikörper (BiTEs) stellen einen innovativen Ansatz zur gezielten Elimination dieser Zellpopulationen dar (Siegert E et al. Ann Rheum Dis 2025; Bucci L et al. NEJM 2025; Düsing C et al. Nat Med 2026).
Methoden: Zwei Patient:innen mit rasch progredienter, therapierefraktärer dcSSc wurden im Rahmen individueller Heilversuche mit dem BCMA×CD3 BiTE Cizutamig (fünf wöchentliche Gaben im Aufdosierungsschema) nach Absetzen aller immunsuppressiven Vortherapien behandelt. Aufgrund persistierender Krankheitsaktivität erhielt ein Patient einen zweiten Behandlunszyklus mit intensivierter Dosierung. Die Nachverfolgung erfolgte engmaschig klinisch und laborchemisch, ergänzt durch Bildgebung, Knochenmarksuntersuchungen und Hautbiopsien. Sicherheit und Wirksamkeit wurden über 29–32 Wochen evaluiert.
Ergebnisse: Beide Patient:innen zeigten zu Baseline eine schwere Organbeteiligung (Tabelle 1 [Tab. 1]). Die Behandlung war insgesamt gut verträglich, ohne höhergradige Zytokinfreisetzungssyndrome oder relevante Neurotoxizität. Beide entwickelten eine substitutionspflichtige Hypogammaglobulinämie. Patientin 1 wurde aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion mit Bronchitis hospitalisiert; die Behandlung verlief komplikationslos und erfolgreich.
Tabelle 1: Demografische und klinische Merkmale zu Baseline, sowie Sicherheitsdaten der Cizutamig Therapie
Cizutamig induzierte eine rasche und tiefgreifende Depletion von CD20⁺ B-Zellen und CD38⁺CD138⁺ Plasmazellen im peripheren Blut (Woche 2), Knochenmark (Woche 8) und in der Haut (Woche 12; Abbildung 1C [Abb. 1]). Bei Patientin 1 sanken die Anti-Scl-70-Antikörper von 118,26 U/L auf 18,03 U/L. Bei Patient 2 zeigte sich eine Serokonversion der Anti-RNA-Polymerase-III-3-155-Antikörper, während die Anti-RNA-Polymerase-III-3-11-Antikörper positiv blieben.
Abbildung 1: (A) Klinisches und laborchemisches sowie (B) bildgebendes Ansprechen nach Therapie mit Cizutamig. (C) Durchflusszytometrische Analysen von CD19? B-Zellen und CD38?CD138? Plasmazellen in Knochenmarksaspiraten (links) sowie immunhistochemische Bilder aus Hautbiopsien (rechts) vor und nach Cizutamig-Therapie.
Patientin 1 zeigte nach 6 Wochen eine deutliche klinische Verbesserung mit Erreichen eines ACR-CRISS-50-Ansprechens. Parallel verbesserten sich bis Woche 24 die Lungenfunktionsparameter (ppFVC 42→54%, ppDLCO 32→45%) sowie die bildgebenden Befunde, begleitet von einer Reduktion des Hautscores (mRSS −12 Punkte; Abbildung 1A–B [Abb. 1]). Patient 2 zeigte eine klinische Verbesserung mit Reduktion des Hautscores (mRSS 43→25, Troponin 152→73 ng/l, NTpro-BNP 2307→476 ng/l) sowie einer Zunahme der Lungenfunktion (ppFVC 69→88%, ppDLCO 51→58%) und der Gehstrecke (0→250 m mit Rollator).
Schlussfolgerung: Cizutamig, ein BCMA×CD3-bispezifischer T-Zell-Engager, vermittelte eine effektive T-zellvermittelte Depletion von B- und Plasmazellen bei gleichzeitig günstigem Sicherheitsprofil. Die beobachteten klinischen Verbesserungen bei therapierefraktärer dSSc unterstreichen das Potenzial als krankheitsmodifizierende Therapieoption.
Offenlegungserklärung: Peter Wung: Anteilseigner von Candid Therapeutics, Mitarbeiter von Candid Therapeutics, Ken Song: Anteilseigner von Candid Therapeutics, Mitarbeiter von Candid Therapeutics, Tim Lu: Anteilseigner von Candid Therapeutics, Mitarbeiter von Candid Therapeutics, Jamie Haddon: Anteilseigner von Candid Therapeutics, Mitarbeiter von Candid Therapeutics, Philipp Krüger: Anteilseigner von Candid Therapeutics, Mitarbeiter von Candid Therapeutics.



