Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Intraoperative Lärmbelastung bei Knie-TEP-Implantationen: Prospektive Messstudie
Text
Einleitung: Lärm ist ein etablierter arbeitsmedizinischer Risikofaktor in industriellen Arbeitsumgebungen. Auch bei orthopädischen Eingriffen mit vergleichbaren maschinell betriebenen Instrumenten kann eine relevante intraoperative Lärmexposition auftreten. Die Implantation einer Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP) stellt somit ein potenziell lärmintensives Verfahren dar und besitzt im Kontext degenerativer und chronisch entzündlicher Gelenkerkrankungen klinische Relevanz. Ziel der Studie war die quantitative Erfassung der intraoperativen Lärmbelastung und deren Bewertung anhand arbeitsmedizinischer Grenzwerte.
Methoden: Im Rahmen einer prospektiven Beobachtungsstudie wurden während zehn Knie-TEP Implantationen tätigkeitsbezogene Schallpegelmessungen im Operationssaal durchgeführt. Die Messungen erfolgten mit einem kalibrierten Schallpegelmessgerät (NTi Audio XL2) im Zeitraum vom Hautschnitt bis zum Ende der Hautnaht. Erfasst wurden der energieäquivalente Dauerschalldruckpegel (LAeq) sowie der maximale Spitzenschalldruckpegel (LCpeak). Die Bewertung erfolgte gemäß der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) unter Einbeziehung der Technischen Regeln zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (TRLV) und Anwendung einer tätigkeitsbezogenen Messstrategie nach DIN EN ISO 9612.
Ergebnisse: Die lautesten Operationsphasen waren das Hämmern (85,65 dB(A); 21 s; 0,63% der OP- Zeit), die Sägephase (84,45 dB(A); 2:09 min; 3,87%) sowie das Bohren (81,97 dB(A); 4 s; 0,12%). Der mittlere A-bewertete energieäquivalente Dauerschalldruckpegel (LAeq) über den gesamten Operationszeitraum betrug 71,97 dB(A) und lag unterhalb des unteren Auslösewertes von 80 dB(A) gemäß LärmVibrationsArbSchV. Der LCpeak-Grenzwert wurde in keiner der Messungen erreicht. Während der gesamten Messreihe wurden jedoch 158 Einzelwerte mit einem LAeq ≥ 80 dB(A) registriert, was einer kumulativen Dauer von über 21 Minuten beziehungsweise 3,6% der durchschnittlichen Gesamtoperationszeit entspricht. Darüber hinaus wurden 69 Einzelwerte mit einem LAeq ≥ 85 dB(A) erfasst, entsprechend rund 8 Minuten beziehungsweise 1,37% der durchschnittlichen Operationszeit. Die höchsten gemessenen Schalldruckpegel traten beim Hämmern beziehungsweise Einschlagen der Prothesenkomponenten auf und betrugen 95,3 dB(A) (LAeq) sowie 119,7 dB(C) (LCpeak).
Schlussfolgerung: Die durchschnittliche intraoperative Lärmbelastung, während der Knie-TEP, lag unterhalb der arbeitsmedizinischen Auslösewerte. Während lärmintensiver Operationsphasen traten jedoch kurzzeitige Pegelspitzen auf, die grundsätzlich mit einem erhöhten Risiko für eine lärmbedingte Schwerhörigkeit assoziiert sind. Demnach erscheint eine Sensibilisierung für präventive Maßnahmen im Hinblick auf eine mögliche kumulative Exposition im Berufsverlauf sinnvoll. Vor dem Hintergrund der endoprothetischen Versorgung bei degenerativen und chronisch entzündlichen Gelenkerkrankungen, einschließlich der rheumatoiden Arthritis, unterstreichen die Ergebnisse die arbeitsmedizinische Relevanz.



