Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Konservative Behandlung von Handgelenkarthritiden bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
Text
Einleitung: Handgelenkarthritiden treten bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen häufig auf und beeinträchtigen die Lebensführung der Betroffenen stark. Eine Ruhigstellung ist in der akuten Phase der Entzündung eine sehr wirkungsvolle Therapie zur Schmerzreduktion/-befreiung und zum Erhalt der selbstständigen Lebensführung. Insbesondere bei beidseitigem Befall, wie er bei der rheumatoiden Arthritis häufig auftritt, ist diese sehr hilfreich und hilft Schmerzmitteldosen zu reduzieren. Bei hochgradigen Instabilitäten und Luxationen können Orthesen helfen, die Zeit bis zur operativen Korrektur zu überbrücken. Im Rheumaschub oder beim rebellischen Handgelenk ergänzen Orthesen und Bandagen die konservative Therapie aus physikalischen Maßnahmen, lokaler und systemischer Schmerztherapie. Fragestellung: Welche Ruhigstellung ist bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wann und wie lange indiziert?
Ergebnisse: Zur konservativen Behandlung von Handgelenkbeschwerden durch akute Arthritiden, chronische Instabilitäten und Fehlbelastungen kommen sowohl Bandagen als auch Orthesen zum Einsatz. Bandagen sind aus festem elastischen Material gefertigt und können durch eingenähte Silikonpolster die Propriozeption verbessern. Sie wirken daher ähnlich wie das Kinesiotape mit dem Vorteil, dass sie nicht so oft erneuert werden müssen und zur Hautpflege abgelegt werden können, was der Körperhygiene dient. Da sie keine steifen Elemente enthalten, entlasten sie die Muskulatur nicht und führen daher nicht zur Muskelatrophie, sondern wirken dieser sogar indirekt entgegen, da sie die Proprozeption verbessern und somit einen kräftigeren Einsatz der Muskulatur ermöglichen. Dennoch sollten diese nachts und in Ruhephasen auch tagsüber abgelegt werden, um Hautschäden und Schweiß-Exantheme zu vermeiden. Orthesen zeichnen sich durch versteifende Elemente, wie Schienen, aus, die bei manchen Modellen entfernt oder individuell zugebogen werden können, um das Handgelenk in der angenehmsten Stellung zu fixieren. Auch Schienen aus Thermoplast, welche individuell angeformt werden, zählen zu den Orthesen. Durch die Hemmung der Bewegung stabilisieren Orthesen besser und führen durch einen Ruhigstellung zuverlässiger zu einer Schmerzbefreiung oder -linderung als Bandagen. Sie sind also bei hochgradigen Instabilitäten oder sehr aktiven Entzündungen indiziert. Zudem kann bei vielen Modellen durch Klettverschlüsse der Druck auf die Weichteile individuell eingestellt und wechselnden Schwellungszuständen angepasst werden. Aufgrund der Ruhigstellung führen Orthesen relativ schnell zu einer Schwächung und Atrophie der handgelenkstabilisierenden Muskulatur des Unterames. Daher sollten Orthesen immer nur so kurz wie möglich getragen werden. Bei abgelegter Orthese sollte die handgelenkstabilisierende Muskulatur im schmerzfreien Rahmen trainiert werden, um der Atrophie entgegenzuwirken und mittel- bis langfristig durch einen Muskelaufbau die aktive Handgelenkstabilisierung zu verbessern.
Schlussfolgerung: Handgelenkbandagen und -orthesen haben unterschiedliche Indikationen und Nebenwirkungen. Ruhigstellungen sollten grundsätzlich so kurz wie möglich erfolgen. Ein Training der handgelenkstabilisierenden Muskulatur zur aktiven Stabilisierung nach Ende der Ruhigstellung ist essentiell für den langfristigen Erfolg. Eine Vorstellung beim Rheumachirurgen oder rheumachirurgisch fortgebildeten Handchirurgen sollte bei anhaltenden Beschwerden oder bestehenden Instabilitäten frühzeitig erfolgen, bevor sich die therapeutischen Fenster für eine Synovialektomie mit weichteiliger Stabilisierung oder eine Teilarthrodese geschlossen haben, da diese Operationen zumindest einen Teil der Beweglichkeit erhalten. Nur bei Patienten, die inoperabel sind oder eine Operation ablehnen ist eine dauerhafte Versorgung mit Handgelenkorthesen indiziert.
Offenlegungserklärung: keine Disclosures



