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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Gesundheits- und sozioökonomische Auswirkungen der Hypophosphatasie: Interimsergebnisse der deutschlandweit multizentrischen prospektiven COHIR-Studie

Claus-Jürgen Bauer - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Medizinische Klinik III für Innere Medizin, Onkologie, Hämatologie, Rheumatologie und klinische Immunologie, Bonn, Deutschland
Max Reinsberg - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Medizinische Klinik III für Innere Medizin, Onkologie, Hämatologie, Rheumatologie und klinische Immunologie, Bonn, Deutschland
Clara Niesing - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Medizinische Klinik III für Innere Medizin, Onkologie, Hämatologie, Rheumatologie und klinische Immunologie, Bonn, Deutschland
Markus M. Nöthen - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Institut für Humangenetik, Bonn, Deutschland
Sandra Pasternack-Ziach - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Institut für Humangenetik, Bonn, Deutschland
Uta Kiltz - Rheumazentrum Ruhrgebiet, Herne, Deutschland; Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland
Gunter Assmann - RUB-Universitätsklinikum JWK Minden, Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie, Minden, Deutschland; Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland
Peter Korsten - St. Josef-Stift Sendenhorst, Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie, Sendenhorst, Deutschland
Hendrik Schulze-Koops - LMU Klinikum, Medizinische Klinik und Poliklinik IV, Sektion Rheumatologie und Klinische Immunologie, München, Deutschland
Burkhard Muche - Charite Universitätsmedizin Berlin, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie und Interdisziplinäres Zentrum für Osteologie, Berlin, Deutschland
Thomas Rauen - Universitätsklinikum RWTH Aachen, Medizinische Klinik II, Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen, Aachen, Deutschland
Alexander Pfeil - Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Klinik für Innere Medizin III, Rheumazentrum sowie Sektion Rheumatologie und Osteologie, Jena, Deutschland
Björn Bühring - Bergisches Rheuma-Zentrum, Cellitinnen Krankenhaus St. Josef, Wuppertal, Deutschland; Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland
Axel Hueber - Klinikum Nürnberg, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Klinik für Innere Medizin V, Abteilung Rheumatologie, Nürnberg, Deutschland
Olga Seifert - Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und Poliklinik für Endokrinologie, Nephrologie und Rheumatologie, Leipzig, Deutschland
Kristian Vogt - Universitätsklinikum RWTH Aachen, Medizinische Klinik II, Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen, Aachen, Deutschland
Sarah Heinle - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Medizinische Klinik III für Innere Medizin, Onkologie, Hämatologie, Rheumatologie und klinische Immunologie, Bonn, Deutschland
Simon M. Petzinna - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Medizinische Klinik III für Innere Medizin, Onkologie, Hämatologie, Rheumatologie und klinische Immunologie, Bonn, Deutschland
Ramona Dolscheid-Pommerich - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie, Bonn, Deutschland
Birgit Stoffel-Wagner - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie, Bonn, Deutschland
Valentin Sebastian Schäfer - Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, Medizinische Klinik III für Innere Medizin, Onkologie, Hämatologie, Rheumatologie und klinische Immunologie, Bonn, Deutschland

Text

Einleitung: Die Hypophosphatasie (HPP) ist eine genetische Erkrankung, die durch eine verminderte Aktivität der alkalischen Phosphatase (ALP) gekennzeichnet ist. Insbesondere bei heterozygoten Genvarianten können klinisch heterogene, häufig multisystemische Manifestationen über die gesamte Lebensspanne hinweg auftreten. Häufig kommt es zu erheblichen diagnostischen Verzögerungen, die bei Erwachsenen nicht selten mehr als fünf Jahre betragen [1]. Zielsetzung dieser Zwischenauswertung war es, anhand des in den COHIR-Studiendaten erfassten TRANSLATE-NAMSE-Fragebogens sozioökonomische Implikationen der hiermit verknüpften Inanspruchnahme des Gesundheitssystems zu beleuchten.

Methoden: Im Rahmen der deutschlandweit rekrutierenden, multizentrischen prospektiven Beobachtungsstudie COHIR (ClinicalTrials.gov Identifier: NCT06574282; 11 rekrutierende Zentren; Start am 28. Februar 2023) gelten alle erwachsenen Patient*innen als einschlussfähig, die sich aufgrund muskuloskelettaler Beschwerden rheumatologisch vorstellen und mindestens einmalig eine erniedrigte ALP-Serumkonzentration aufweisen. Die zu dokumentierende Hypophosphatasie-Abklärung umfasst die Anamnese und klinisch-ärztliche Untersuchung, eine umfassende Labor- und Urindiagnostik, Patientenfragebögen (PROMs), funktionelle Assessments, eine Bioimpedanz- sowie gruppenabhängig Knochendichtemessung, bildgebende Verfahren sowie – bei persistierender Hypophosphatasämie – eine genetische Testung des ALPL-Gens. Der aus dem TRANSLATE-NAMSE-Projekt entliehene Patientenfragebogen umfasst hierbei zehn Fragen zur gesundheits- und sozioökonomischen Evaluation (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]).

Tabelle 1: Ergebnisse des TRANSLATE-NAMSE-Patientenfragebogens und demographische Daten einer Interimsanalyse aus 144 COHIR-Studienpatient*innen

Ergebnisse: Bis zum 30.03.2026 wurden deutschlandweit 200 Patient*innen in die COHIR-Studie eingeschlossen. Hiervon boten 144 Patient*innen bereits einen auswertbaren Datensatz inklusive Ergebnisses der genetischen Untersuchung (sofern studienprotokollgemäß vorgesehen). Die Kohorte setzt sich zusammen aus 34 Patient*innen der Studiengruppe mit positiver Genetik (67,6% weiblich, 32,4% männlich; Alter: 51,1 ± 12,8 Jahre), 55 Patient*innen der Studiengruppe mit negativer Genetik (65,5% weiblich, 34,5% männlich; Alter: 56,2 ± 19,9 Jahre), und 55 Patient*innen der Kontrollgruppe (67,3% weiblich, 32,7% männlich; Alter: 57,6 ± 15,2 Jahre). Während Patient*innen der Studiengruppe, unabhängig des Genanalyse-Ergebnisses, genauso wie Patient*innen der Kontrollgruppe vielfach die gleiche Ausgangssituation der Suche nach einer Erklärung für ihre muskuloskelettalen Beschwerden teilen, und sich infolgedessen in einigen Ergebnissen des TRANSLATE-NAMSE-Fragebogens ähneln, sticht die Hypophosphatasie-Patientengruppe (Studiengruppe mit positivem genetischem Ergebnis) trotz jüngerem Durchschnittsalter bemerkenswert heraus in ihrer Anzahl an Krankschreibungsmonaten (≥19 Monate bei 24,3% der Patient*innen), der beschwerdebedingten Berentungsquote (18,8%) und dem Anteil an Patient*innen mit über 30 stationären Behandlungstagen in der Vergangenheit (detaillierte Ergebnisse siehe Tabelle 1 [Tab. 1]).

Schlussfolgerung: Die dargestellten Zwischenauswertungsergebnisse verdeutlichen die gesundheits- und sozioökonomische Tragweite unentdeckter Hypophosphatasie-Erkrankungen, die Bedeutung einer möglichst frühzeitigen Erkennung, sowie das versorgungsseitige Verbesserungspotenzial.

Offenlegungserklärung: Die COHIR-Studie wird finanziell unterstützt durch Alexion.


References

[1] Seefried L, Dahir K, Petryk A, Högler W, Linglart A, Martos-Moreno GÁ, Ozono K, Fang S, Rockman-Greenberg C, Kishnani PS. Burden of Illness in Adults With Hypophosphatasia: Data From the Global Hypophosphatasia Patient Registry. J Bone Miner Res. 2020 Nov;35(11):2171-2178. DOI: 10.1002/jbmr.4130