Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Gesundheits- und sozioökonomische Auswirkungen der Hypophosphatasie: Interimsergebnisse der deutschlandweit multizentrischen prospektiven COHIR-Studie
Text
Einleitung: Die Hypophosphatasie (HPP) ist eine genetische Erkrankung, die durch eine verminderte Aktivität der alkalischen Phosphatase (ALP) gekennzeichnet ist. Insbesondere bei heterozygoten Genvarianten können klinisch heterogene, häufig multisystemische Manifestationen über die gesamte Lebensspanne hinweg auftreten. Häufig kommt es zu erheblichen diagnostischen Verzögerungen, die bei Erwachsenen nicht selten mehr als fünf Jahre betragen [1]. Zielsetzung dieser Zwischenauswertung war es, anhand des in den COHIR-Studiendaten erfassten TRANSLATE-NAMSE-Fragebogens sozioökonomische Implikationen der hiermit verknüpften Inanspruchnahme des Gesundheitssystems zu beleuchten.
Methoden: Im Rahmen der deutschlandweit rekrutierenden, multizentrischen prospektiven Beobachtungsstudie COHIR (ClinicalTrials.gov Identifier: NCT06574282; 11 rekrutierende Zentren; Start am 28. Februar 2023) gelten alle erwachsenen Patient*innen als einschlussfähig, die sich aufgrund muskuloskelettaler Beschwerden rheumatologisch vorstellen und mindestens einmalig eine erniedrigte ALP-Serumkonzentration aufweisen. Die zu dokumentierende Hypophosphatasie-Abklärung umfasst die Anamnese und klinisch-ärztliche Untersuchung, eine umfassende Labor- und Urindiagnostik, Patientenfragebögen (PROMs), funktionelle Assessments, eine Bioimpedanz- sowie gruppenabhängig Knochendichtemessung, bildgebende Verfahren sowie – bei persistierender Hypophosphatasämie – eine genetische Testung des ALPL-Gens. Der aus dem TRANSLATE-NAMSE-Projekt entliehene Patientenfragebogen umfasst hierbei zehn Fragen zur gesundheits- und sozioökonomischen Evaluation (siehe Tabelle 1 [Tab. 1]).
Tabelle 1: Ergebnisse des TRANSLATE-NAMSE-Patientenfragebogens und demographische Daten einer Interimsanalyse aus 144 COHIR-Studienpatient*innen
Ergebnisse: Bis zum 30.03.2026 wurden deutschlandweit 200 Patient*innen in die COHIR-Studie eingeschlossen. Hiervon boten 144 Patient*innen bereits einen auswertbaren Datensatz inklusive Ergebnisses der genetischen Untersuchung (sofern studienprotokollgemäß vorgesehen). Die Kohorte setzt sich zusammen aus 34 Patient*innen der Studiengruppe mit positiver Genetik (67,6% weiblich, 32,4% männlich; Alter: 51,1 ± 12,8 Jahre), 55 Patient*innen der Studiengruppe mit negativer Genetik (65,5% weiblich, 34,5% männlich; Alter: 56,2 ± 19,9 Jahre), und 55 Patient*innen der Kontrollgruppe (67,3% weiblich, 32,7% männlich; Alter: 57,6 ± 15,2 Jahre). Während Patient*innen der Studiengruppe, unabhängig des Genanalyse-Ergebnisses, genauso wie Patient*innen der Kontrollgruppe vielfach die gleiche Ausgangssituation der Suche nach einer Erklärung für ihre muskuloskelettalen Beschwerden teilen, und sich infolgedessen in einigen Ergebnissen des TRANSLATE-NAMSE-Fragebogens ähneln, sticht die Hypophosphatasie-Patientengruppe (Studiengruppe mit positivem genetischem Ergebnis) trotz jüngerem Durchschnittsalter bemerkenswert heraus in ihrer Anzahl an Krankschreibungsmonaten (≥19 Monate bei 24,3% der Patient*innen), der beschwerdebedingten Berentungsquote (18,8%) und dem Anteil an Patient*innen mit über 30 stationären Behandlungstagen in der Vergangenheit (detaillierte Ergebnisse siehe Tabelle 1 [Tab. 1]).
Schlussfolgerung: Die dargestellten Zwischenauswertungsergebnisse verdeutlichen die gesundheits- und sozioökonomische Tragweite unentdeckter Hypophosphatasie-Erkrankungen, die Bedeutung einer möglichst frühzeitigen Erkennung, sowie das versorgungsseitige Verbesserungspotenzial.
Offenlegungserklärung: Die COHIR-Studie wird finanziell unterstützt durch Alexion.



