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Deutscher Rheumatologiekongress 2026

54. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), 36. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR), 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh)
09.-12.09.2026
Leipzig

Meeting Abstract

Juvenile rezidivierende Parotitis im Kindesalter: Diagnostische Verzögerung, uneinheitliche Versorgung und immunologische Hinweise aus einer 10-Jahres-Kohorte

Leonie Guttke - Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Markus Pirlich - Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Andreas Dietz - Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig, Deutschland
Christian Klemann - Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Leipzig, Bereich der pädiatrischen Immunologie, Kinder-Rheumatologie und -Infektiologie, Leipzig, Deutschland

Text

Einleitung: Die juvenile rezidivierende Parotitis (JRP) ist eine nicht-obstruktive, nicht-suppurative Entzündung der Parotis im Kindesalter mit unklarer Pathogenese. Trotz ihrer klinischen Relevanz fehlen standardisierte diagnostische und therapeutische Algorithmen. Für die pädiatrische Rheumatologie ist JRP auch als Differenzialdiagnose bei rezidivierenden Parotisschwellungen mit möglicher immunologischer oder autoimmuner Assoziation bedeutsam. Ziel dieser Studie war die Analyse klinischer Merkmale, diagnostischer Wege und therapeutischer Praxis bei JRP.

Methoden: Retrospektive monozentrische Kohortenstudie an einem universitären Tertiärzentrum über 10 Jahre (2015–2024). Von 224 Kindern mit Sialadenitis (ICD-10 K11.2) erfüllten 50 die Kriterien einer JRP. Erfasst wurden demographische Daten, klinische Präsentation, diagnostische Maßnahmen, Laborbefunde und Therapie. Die statistische Auswertung erfolgte deskriptiv sowie mittels Welch-t-Test und Fisher-Test.

Ergebnisse: Das mittlere Erkrankungsalter lag bei 4,6 Jahren, das mittlere Alter bei Diagnosestellung bei 6,5 Jahren; die diagnostische Verzögerung betrug im Mittel 1,9 Jahre. Die Erstvorstellung erfolgte in der Pädiatrie (48%), HNO (46%) oder Kinderchirurgie (6%). Leitsymptome waren Parotisschwellung (98%), Schmerzen (80%) und Fieber (54%); 60% der Kinder zeigten einen unilateralen Verlauf. Eine Sonographie erfolgte bei 47/50 Kindern, eine MRT bei 3/50. Allgemeine Laboruntersuchungen wurden nur bei 24/50 Kindern durchgeführt, eine erweiterte immunologische Diagnostik bei 9/50. Immunologisch relevante Begleiterkrankungen fanden sich bei mindestens 3/50 Kindern (Zöliakie n=2, ALPS n=1); bei 3/9 immunologisch untersuchten Patienten bestanden niedrig positive ANA. Alle Kinder erhielten konservative Maßnahmen, 32/50 zusätzlich Antibiotika, ohne Einfluss auf die Episodenzahl (p=0,89). Nur ein Kind wurde sialendoskopisch mit lokaler Steroidapplikation behandelt.

Schlussfolgerung: JRP ist durch frühe Manifestation, relevante diagnostische Verzögerung und heterogene Versorgung gekennzeichnet. Die häufige Antibiotikagabe wird durch unsere Daten nicht gestützt. Aus rheumatologischer Sicht ist JRP als Differenzialdiagnose rezidivierender Parotisschwellungen sowie wegen möglicher immunologischer Assoziationen relevant. Benötigt werden prospektive multizentrische Studien, um strukturierte Diagnosepfade, eine rationale Therapie und die Bedeutung immunologischer Begleitkonstellationen besser zu definieren.