Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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„Synovial Surprise“ – eine seltene Manifestation im Kniegelenk
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Vorgeschichte: Rezidivierende, retrospektiv entzündlich zu wertende Rückenschmerzen seit 2015 der damals 22-jährigen Patientin. Mehrfache ambulante orthopädische Vorstellungen und lokale Injektionen ohne Besserung. Februar 2020: Iliosakralgelenk-Fusion rechts. Postoperativ initiale Beschwerdefreiheit. Seit Mitte 2021: Vermehrt periphere Gelenkschmerzen. Schriftlicher MRT-Befund (Dezember 2021): Chronische Entzündung der Hüftgelenke, Entzündung im ISG links, Bursitis trochanterica rechts, floride Arthritis im IP-Gelenk I links sowie Bursitis zwischen Zehengrundgelenken D3/4. Ambulante rheumatologische Erstvorstellung Anfang 2022: HLA-B27 positiv, klinischer Nachweis einer Daktylitis des linken Zehs. Diagnose: Axiale Spondyloarthritis mit peripherer Gelenkbeteiligung (DD Psoriasisarthritis). Therapie mit NSAR und Sulfasalazin ohne Effekt. Wechsel in eine andere rheumatologische Praxis: Therapieeinleitung mit TNF-α-Inhibitor Certolizumab pegol (bei Kinderwunsch); Erreichen einer Remission. August 2025: Kniegelenksschwellung links mit Bewegungseinschränkung (Arthrosonographie: Synovialproliferation Grad 3, Power-Doppler-Signal Grad 1). Kurzfristige Besserung nach therapeutischer Punktion mit Triamcinolon (ohne Synoviaanalyse); geringe Linderung durch zusätzliche systemische Prednisolontherapie. Ende September 2025: Vorstellung in unserem Zentrum für Rheumatologie und Rheumaorthopädie.
Leitsymptome bei Krankheitsmanifestation: Deutliche Schwellung Kniegelenk links, Extensions- und Flexionsdefizit (30°-0-95° nach Neutral-Null-Methode), hinkendes Gangbild. Leichte Schwellung und Druckschmerz über Metatarsophalangealgelenk I rechts.
Diagnostik: Arthrosonographie Knie links: Synovialproliferation Grad 3, Power-Doppler-Signal Grad 1.
Labor: CRP 5,6 mg/l (leicht erhöht), immunserologisches Basislabor unauffällig.
Sichtung MRT-Becken von 2021: Keine sicheren Entzündungszeichen des linken ISG, jedoch Zeichen einer Synovitis beider Hüftgelenke mit geringem Gelenkerguss.
Interdisziplinäre Entscheidung zur Arthroskopie: Kniegelenk links.
Synoviaanalyse: 500 Leukozyten/µl, keine Kristalle.
Histologie der Synovialis: Nachweis eines synovialen Hämangioms, low-grade Synovialitis.
Therapie: Durchführung einer arthroskopischen Synovialektomie. Intraoperativ: Synovialitis (insbesondere im Recessus suprapatellaris), intakte Knorpelverhältnisse in allen Kompartimenten, regelrechte Kniebinnenstrukturen.
Weiterer Verlauf: 2,5 Monate postoperativ: Zögerliche Besserung des Bewegungsumfanges/Gangbildes. MRT mit Kontrastmittel: Residuelle Synovialitis (postoperativer Reizzustand, DD persistierende Synovialitis) sowie Patellasehnentendinitis. Klinisch/arthrosonographisch: Persistierende MTP-I-Synovitis, keine Hinweise auf entzündlichen Rückenschmerz. Wechsel von Certolizumab pegol auf den Interleukin-17-Inhibitor Ixekizumab (ambulant).Poststationäre 4-Monatskontrolle, kurz nach Erstgabe von Ixekizumab: Minimale Synovialproliferation, weiterhin infrapatellare Enthesitis mit klinisch anhaltendem Streckdefizit. MTP-I-Synovitis nahezu vollständig rückläufig. Fazit: Das synoviale Hämangiom ist eine sehr seltene, gutartige vaskuläre Läsion der Synovialis. Diagnosesicherung histologisch. Therapie: Vollständige Resektion der betroffenen Synovialis. Das Vorliegen eines synovialen Hämangioms schließt eine entzündliche Mitbeteiligung extra- und intraartikulärer Strukturen nicht aus. Die Therapie erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Orthopädie und Rheumatologie.
Offenlegungserklärung: Es bestehen keine Interessenkonflikte.



