Deutscher Rheumatologiekongress 2026
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Videoassistierte rheumatologische Sprechstunde mit Physician Assistants (PA) in der Hausarztpraxis: Ein Zukunftsmodell zur Versorgungssicherung im ländlichen Raum? Daten aus 2 Jahren Umsetzung
Text
Einleitung: Die Versorgungssituation für Rheumapatient:innen sieht sich einer zunehmenden Mangelversorgung ausgesetzt. Das Memorandum der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) von 2024 beschreibt den bereits bestehenden sowie zukünftigen Mangel an Rheumatolog:innen [1]. Insbesondere der ländliche Raum leidet unter dem Fachärzt:innenmangel, denn in diesen Regionen müssen Patient:innen sowohl viele Monate auf einen fachärztlichen Termin warten als auch häufig viele Kilometer Anfahrt in Kauf nehmen. Dies erfordert Kreativität und pragmatisches Denken, um Lösungen zu finden mit dem Ziel, die Situation zeitnah zu verbessern. Eine Lösung zur Verbesserung der ambulanten Versorgungssituation besteht in dem bisher wenig bekannten Berufsbild des Physician Assistance (PA), welches in Kombination mit einer fachärztlich-rheumatologischen Videosprechstunde (VS) eingesetzt wird. Bereits letztes Jahr konnten wir die ersten Daten zu diesem Pilotprojekt vorstellen, die mittlerweile über einen Zeitraum von 2 Jahren vorliegen.
Methoden: Am Campus Papenburg, einem An-Institut der Hochschule Anhalt, wird seit 2021 der Bachelorstudiengang PA unterrichtet mit dem vorrangigen Ziel, die ambulante medizinische Versorgung zu stärken. Seitdem findet hier jährlich für das 3. Semester ein Rheumablockseminar und für das 5. Semester eine rheumatologische Fallbesprechung sowie außerdem ein semesterübergreifender Arthrosonographie-Kurs statt. Im Zuge der Digitalisierung der Medizin besteht außerdem die Möglichkeit, Patient:innen im ambulanten Setting via VS fachärztlich zu betreuen. Es wurde von uns seit dem 01.01.2024 ein Konzept etabliert, in dem Rheumapatient:innen aus einem hausärztlichen MVZ in Papenburg von einer speziell geschulten PA - in Kombination mit den hausärztlichen Kolleg:innen wohnortnah - sowie einer Video-assistierten Sprechstunde durch eine rheumatologische Fachärztin (Düsseldorf) supervidiert werden. Die VS findet in der hausärztlichen Praxis mit PA und in Anwesenheit der Patient:innen statt. Alle Patient:innen haben der Teilnahme an der VS zugestimmt, der Rheumatologin standen alle notwendigen Befunde zur Verfügung, bei Bedarf wurden während oder nach der VS weitere Befunde erhoben oder angefordert. Die Diagnose wurde durch die Rheumatologin gestellt und eine entsprechende Therapieempfehlung via Arztbericht erteilt. Die Therapie wurde im Anschluss durch die hausärztlichen Kollegen umgesetzt.
Ergebnisse: Es wurden seither im Zeitraum von 01/2024 bis 02/2026 n=103 Patient:innen (n=64 weiblich; mittleres Alter 47 Jahre (Rangweite 16–85) mit rheumatologischen Symptomen durch eine speziell rheumatologisch ausgebildete PA (wohnortnah im hausärztlichen Setting) unter Supervision mittels rheumatologischer VS (Düsseldorf) betreut.
Bei n=21/103 (20%) Patient:innen wurde eine entzündlich-rheumatische Erkrankung (EGR) ausgeschlossen und in n= 8/104 (8%) erschien der Patient aus unbekannten Gründen nach der ersten Visite nicht zur Videosprechstunde, so dass eine abschließende Diagnose nicht gestellt werden konnte.
Bei n=11/103 (11%) bestand eine rheumatologische Diagnose, eine Weiterbetreuung via VS ist jedoch aus verschiedenen Gründen nicht erfolgt.
Bei 19/103 (18%) bestand schon bei EV eine gesicherte rheumatologische Diagnose.
Bei n=50/63 (79%) ergab sich eine entzündlich-rheumatisch Grunderkrankung (EGR). Die Tabelle 1 [Tab. 1] zeigt die Verteilung der Diagnosen. Von diesen Patien:innen haben n=73/103 (71%) eine Therapie gemäß der gestellten Diagnose erhalten. N= 64/103 (62%) haben die Empfehlung zur Wiedervorstellung bekommen, davon sind n=51/64 (80%) 1–5-mal in o.g. Zeitraum wiedervorstellig gewesen, d.h. n=13/6 (20%) sind aus verschiedenen Gründen nicht zur Wiedervorstellung gekommen.
Gründe der nicht erfolgten Wiedervorstellungen waren u.a. Sprachbarriere, fehlende Compliance oder aus Patientenperspektive ausreichende Betreuung durch den Hausarzt im Verlauf.
Schlussfolgerung: Im Rahmen dieses Pilotprojekts konnte in 80% der Patient:innen eine gesicherte rheumatologische Diagnose gestellt und in 71% auch eine entsprechende Therapie eingeleitet werden. 62% der Patient:innen wurden innerhalb des Projekts über 2 Jahre auf diese Weise verlaufskontrolliert. Diese Ergebnisse zeigen, dass Patient:innen mit rheumatologischen Symptomen grundsätzlich auf diesem Wege – ohne lange zeitliche Verzögerungen – gesehen und behandelt werden können. Zusätzlich können Patient:innen mit bekannten entzündlich-rheumatischen Diagnosen, jedoch abhanden gekommener rheumatologischer Betreuung (Praxisschließung durch z.B. fehlende Nachfolger) auf diesem Wege rheumatologisch weiterbetreut werden, was insbesondere bei der Versorgung von multimorbiden oder älteren Patienten im ländlichen Raum wichtig ist. Die demographischen Daten zeigen die (noch) zu lange Symptomdauer bis zur Erstvorstellung; dies hat sich auch nach 2 Jahren Beobachtung bisher nicht relevant geändert. Dazu müsste das vorgestellte Konzept breiter etabliert und öffentlich gemacht werden, um dafür „Awareness“ und Akzeptanz in der vor allem ländlichen Bevölkerung zu schaffen. Ziel des Projekts wäre es daher, die Symptomdauer bis zur Erstvorstellung und Erstdiagnose deutlich zu verkürzen („window of opportunity“), und dass die Patient:innen auf diesem Weg langfristig weiter betreut werden. Wir halten die vorgestellten Maßnahmen für einen praktikablen Weg, um die Versorgung von Rheumapatient:innen insbesondere im ländlichen Raum zu verbessern bzw. langfristig sicherzustellen. Aktuell sind wir einen weiteren Schritt gegangen und haben über eine Zweigpraxis eine Vor-Ort Lösung in Kombination mit einer VS etabliert, welches die Versorgung nochmal verbessern soll und ggf. die Dauer bis zur Erstvorstellung verkürzt.
Offenlegungserklärung: Keine Konflikte bzgl. des Abstracts der Autor:.innen
Tabelle 2 [Tab. 2]





