38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft
Okuläre Lymphome – Diagnostik und Therapie
Text
Vitreoretinale Lymphome sind seltene hochgradige B-Zell-Lymphome an immunprivilegierten Lokalisationen. Wie bei den ZNS-Lymphomen nimmt ihre Häufigkeit zu, vermutlich als Folge externer Faktoren wie der zunehmenden Belastung unserer Umwelt. Die klinische Präsentation ist häufig charakteristisch, der Krankheitsverlauf jedoch heterogen. Das klinische Management wird durch das Fehlen optimierter Behandlungsprotokolle sowie durch unterschiedliche therapeutische Vorgehensweisen erschwert. Bei okulärer Manifestation stellt die intravitreale Applikation die schnellste und effizienteste Therapieform dar. Die meisten Patienten sprechen auf eine fixe Methotrexat-Dosis von 400 µg an. Allerdings tritt bei 20–50% der Patienten eine Hornhauttoxizität auf, wenn die Injektionen in Intervallen von weniger als einem Monat verabreicht werden. Lokale Krankheitsrezidive werden bei etwa 20% der Patienten beobachtet. Die Elimination von intraokulärem Methotrexat folgt einer Kinetik erster Ordnung. Ausgehend von einer initialen Konzentration von 100 µg/ml Glaskörpervolumen bleibt ein therapeutischer Wirkspiegel für etwa drei bis fünf Tage bestehen. Daten aus der systemischen Therapie deuten darauf hin, dass diese allein keine dauerhaft therapeutischen intraokulären Wirkstoffspiegel erreichen kann. Darüber hinaus variiert das Glaskörpervolumen zwischen 3 und 10 ml. Die Verwendung einer fixen Methotrexat-Dosis kann daher entweder zu einem erhöhten Risiko für Toxizität oder zu einer Unterbehandlung führen. Die Bestimmung des Glaskörpervolumens vor Therapiebeginn ermöglicht eine individualisierte Dosierung sowie eine Reduktion der Behandlungsfrequenz. Das Ansprechen auf die Therapie kann mittels eines Multiplex-Zytokinprofils überwacht werden.



