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38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft

Retinologische Gesellschaft
03.-04.07.2026
Badenweiler

Meeting Abstract

Intraoperative Methotrexat-Infusion bei rhegmatogener Netzhautablösung mit PVR: Funktionelle und morphologische Ergebnisse

Adrian Luyken - Rostock
C. Brockmann - Rostock
V. Junge - Rostock
A. Schulz - Rostock; Department Leben, Licht & Materie Rostock
T.A. Fuchsluger - Rostock
F. Schaub - Rostock

Text

Ziel: Die proliferative Vitreoretinopathie (PVR) ist die Hauptursache für chirurgisches Versagen nach rhegmatogener Netzhautablösung. Aktuell wird die PVR als abnorme Wundheilungsreaktion verstanden, die durch Entzündungs-, Gliazellen und retinale Pigmentepithelzellen gesteuert wird. Trotz verschiedener pharmakologischer Ansätze fehlen bisher klare Behandlungsempfehlungen oder standardisierte Prophylaxestrategien. Vorangehende Studien deuten darauf hin, dass die intra- und postoperative intravitreale Gabe von Methotrexat (MTX) die Inzidenz der postoperativen PVR senken kann. Bisher wird MTX als Off-Label-Adjuvans eingesetzt, wobei detaillierte Sicherheitsdaten noch ausstehen.

Methode: Retrospektive Analyse konsekutiver Augen mit rhegmatogener Netzhautablösung und PVR-Grad B oder C (nach R. Machemer), die seit November 2024 an der Universitätsaugenklinik Rostock im Rahmen einer Pars-Plana-Vitrektomie (PPV) mit intraoperativer Infusionslösung mit MTX off-label behandelt wurden (40 mg/500 ml BSS via intravitrealer Infusion). Neben den funktionellen Ergebnissen (Visus, Perimetrie und multifokales ERG), der Wiederanlagerate und der PVR-Rate wurden morphologische Parameter (OCT) sowie Sicherheits- und Komplikationsraten untersucht.

Ergebnis: Es wurden 57 Augen von 55 Patienten eingeschlossen (PVR Grad B: 48,4% [n=27], PVR Grad C: 52,6% [n=30]). Eine primäre rhegmatogene Ablösung mit PVR Grad B oder C lag in 77,2% (n=44) der Fälle vor, eine PVR-bedingte Wiederablösung in 22,8% (n=13). Die Makula war in 75,4% (n=43) der Fälle abgehoben. Als Tamponade wurde bei 19 Augen Schwefelhexafluorid (SF6 25%) und bei 38 Augen Silikonöl (5000 cst) verwendet. Die durchschnittliche Infusionsdauer betrug 33,7 ± 7,5 Minuten. Die primäre Wiederanlagerate liegt bisher bei 80,7% (46/57 Augen; PVR Grad B: 89,9%; PVR Grad C: 75,8%) bei einem mittleren Beobachtungszeitraum von 334 ± 130 Tagen. Der bestkorrigierte Visus verbesserte sich signifikant von 1,43 ± 0,86 auf 0,53 ± 0,37 logMAR (p<0,01). Multifokale ERGs zeigten postoperativ normale Antworten mit fovealem Gipfel ohne Anzeichen toxischer Makulopathien. Bisher konnten keine MTX-assoziierten Komplikationen beobachtet werden.

Schlussfolgerung: Die intraoperative MTX-Infusion während der PPV scheint eine sichere adjuvante Therapie bei rhegmatogener Netzhautablösung zu sein – insbesondere bei Augen mit PVR Grad B und sogar bei bereits bestehender PVR Grad C.