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38. Jahrestagung der Retinologischen Gesellschaft

Retinologische Gesellschaft
03.-04.07.2026
Badenweiler

Meeting Abstract

Strukturelle Progression und systemische Risikofaktoren bei makulären Teleangiektasien Typ 2 (MacTel): Daten aus der europäischen MEMORY-Studie

Carla Winter - Münster
K. Rothaus - Münster
F. Bucher - Freiburg i. Br.
K. Blatz - Freiburg i. Br.
V. Krivosic - Paris
A. Gaudric - Paris
L. Pauleikhoff - Hamburg
D. Pauleikhoff - Münster
C. Lange - Münster
on behalf of the MEMORY Study Group

Text

Hintergrund: Seit Zulassung der ersten neuroprotektiven Therapie in den USA 2025 für MacTel rückt das Verständnis der Krankheitsprogression näher in den Fokus. MEMORY (Multicentre European MacTel2 prOgRession studY) untersucht klinische und bildgebungsbasierte Progressionsmuster bei MacTel. Ziel dieser Analyse war die Darstellung von Baseline (BL)-Charakteristika und longitudinalen Veränderungen über fünf Jahre.

Methoden: Eingeschlossen wurden Patient*innen mit MacTel, die zwischen 2024 und 2026 ihr Einverständnis zur Studienteilnahme gaben. Erfasst wurden demographische Daten, systemische Komorbiditäten, bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) und quantitative OCT-Parameter wie der Verlust der ellipsoiden Zone (EZ). Zusammenhänge zwischen arterieller Hypertonie (aHT), Diabetes mellitus Typ 2 (DM2), BL-EZ-Verlust und struktureller Progression über fünf Jahre wurden untersucht.

Ergebnisse: 548 Augen von 274 Patient*innen wurden analysiert (57% weiblich; Durchschnittsalter 60,1 ± 9,5 Jahre). DM2 lag bei 27% und aHT bei 52% vor. Die mediane BCVA betrug bei BL 0,2 logMAR (IQR 0,1–0,4) und nahm nach fünf Jahren auf 0,3 logMAR ab. Bei BL zeigten 50% der Augen eine zentrale EZ-Beteiligung. Bei zentralem EZ-Verlust nahm die mittlere EZ-Defektfläche in fünf Jahren von 0.39 auf 0.62 mm² zu. Augen ohne EZ-Verlust bei BL entwickelten in 46% einen EZ-Verlust; bei 41% der Augen mit initial nicht-zentralem EZ-Verlust erreichte dieser im Verlauf die Fovea. Patient*innen mit aHT zeigten bei BL größere EZ-Defekte (p < 0,01), jedoch keine stärkere Progression. Vergleichbare Ergebnisse fanden sich beim DM2.

Schlussfolgerung: Diese Studie beschreibt die strukturelle Krankheitsprogression von MacTel und trägt zur Identifizierung von Prognosefaktoren und therapeutischen Zeitfenstern bei. Bereits bei Erstvorstellung zeigt die Hälfte der Patient*innen eine zentrale EZ-Beteiligung. AHT und DM2 sind mit größeren EZ-Defekten bei BL assoziiert, jedoch nicht mit einer stärkeren strukturellen Progression über fünf Jahre. Weitere Analysen sollen das Verständnis der individuellen Risikoprofile und Krankheitsverläufe vertiefen.