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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Retrospektive single-center Analyse der Frühkontinenz nach radikaler Zystektomie und Anlage einer Ileumneoblase

Michael Baier - Marien Hospital Herne, Klinik für Urologie, Herne, Deutschland
Henning Bahlburg - Marien Hospital Herne, Klinik für Urologie, Herne, Deutschland
Rudolf Moritz - Marien Hospital Herne, Klinik für Urologie, Herne, Deutschland
Florian Roghmann - Marien Hospital Herne, Klinik für Urologie, Herne, Deutschland
Rein-Jüri Palisaar - Marien Hospital Herne, Klinik für Urologie, Herne, Deutschland
Guido Müller - Marien Hospital Herne, Klinik für Urologie, Herne, Deutschland; Kliniken Hartenstein, Urologisches Kompetenzzentrum für die Rehabilitation, Bad Wildungen, Deutschland

Text

Einleitung: Retrospektive Analyse der Harnkontinenz männlicher Patienten in der frühen Phase nach offener oder robotisch assistierter radikaler Zystektomie (ORC/RARC) und Anlage einer Ileumneoblase (INB).

Methode: Einschluss aller Patienten eines high-volume Zentrums nach RC und Anlage einer INB im Zeitraum 2018 – 2024 zu Beginn der stationären Anschlussrehabilitation (AR). Die standardisierte Evaluation der Harnkontinenz (24-Stunden-Pad-Test) und Miktionsvolumina erfolgte zu Beginn (T1) und Ende (T2) der AR. Kontinenz wurde als Verbrauch von ≤1 Sicherheitsvorlage/Tag definiert. Uni- und multivariable Regressionsanalysen unter Berücksichtigung von Alter, Nervenschonung, Diabetes, Adipositas, ORC vs. RARC und Operation zwischen 2018–2021 und 2022–2024 wurden zur Identifizierung (unabhängiger) Prädiktoren für Harnkontinenz durchgeführt.

Ergebnisse: Einschluss von 115 Patienten (medianes Alter 63 Jahre (Interquartilsabstand (IQR) 57–68)). Nervschonung erfolgte in 60,9%. Robotische Eingriffe erfolgten komplett intrakorporal. Die AR begann im Median 27 Tage postoperativ (IQR 23–33,5). Eine RARC erfolgte in 43,5%, mit singifikant häufigerer Anwendung zwischen 2022 und 2024 im Vergleich zu 2018–2021 (27,9% vs. 66,0%, p < 0,001). Insgesamt waren 11,3% der Männer zu T1 kontinent, mit signifikanten Anstieg auf 27,0% zu T2 (p < 0,001). Bei inkontinenten Patienten sank der mediane Urinverlust von 355 g zu T1 (IQR 111–932) auf 142 g (IQR 56–369) zu T2 (p < 0,001). Zudem zeigten Patienten mit OP im Zeitraum 2022–2024, einen geringeren Urinverlust zu T1 als Patienten mit OP zwischen 2018 und 2021 (422 g (IQR 186–1047) vs. 158 g (87–600), p = 0,005). Das mediane Miktionsvolumen aller Patienten stieg von 122 ml (IQR 46–217) zu T1 auf 210 ml (IQR 99–290) zu T2 (p = 0,002). In der univariablen linearen Regressionsanalyse wurden ein jüngeres Patientenalter und eine Operation zwischen 2022 und 2024 als signifikante Einflussfaktoren für eine gute Harnkontinenz zu T1 identifiziert. In der multivariablen linearen Regressionsanalyse wurde kein Prädiktor für Harnverlust zu T1 identifiziert. Jedoch zeigte der Operationszeitraum 2022–2024 einen Trend zur Signifikanz (p = 0,066).

Schlussfolgerung: Diese retrospektive single-center Analyse zeigt einen deutlichen Trend zur RARC mit gleichzeitig signifikant höheren Kontinenzraten im zeitlichen Verlauf. Die im Zeitraum 2022–2024 verbesserte Frühkontinenz spiegelt möglicherweise die Lernkurve bei der RARC und Anlage einer INB wider.