Logo

71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Management und klinische Ergebnisse ureteroiliakaler Fisteln: eine retrospektive Analyse

Julia Rudolph - Universtitätsklinikum Köln, Klinik für Urologie, Köln, Deutschland
David Pfister - Universtitätsklinikum Köln, Klinik für Urologie, Köln, Deutschland
Axel Heidenreich - Universtitätsklinikum Köln, Klinik für Urologie, Köln, Deutschland

Text

Einleitung: Uretero-iliakale Fisteln (UIFs) sind seltene, potenziell lebensbedrohliche Erkrankungen, meist begleitet von intermittierender oder massiver Hämaturie. Die Diagnose wird oft verzögert, da Symptome unspezifisch sind und Bildgebung häufig keine eindeutigen Befunde liefert. Diese Studie analysiert retrospektiv die Erfahrungen unseres Zentrums bei Diagnostik und Therapie von UIFs.

Methoden: Von 2019 bis 2025 wurden neun PatientInnen mit UIF eingeschlossen. Erfasst wurden Demografie, klinische Präsentation, Vortherapien, Diagnostik und Therapieergebnisse. Primärer Endpunkt war Blutungskontrolle und Fistelverschluss; sekundäre Endpunkte waren intensivmedizinischer Bedarf, Transfusionsmengen und Rezidive.

Ergebnisse: Alle PatientInnen zeigten eine symptomatische Makrohämaturie. Die Kohorte umfasste sechs Frauen und drei Männer (Medianalter 73 Jahre). 56% hatten eine Strahlentherapie, alle eine pelvine Operation und 89% waren langfristig mit Ureterstents versorgt (3 Monate bis 9 Jahre). 56% wurden während eines Stentwechsels akut symptomatisch. Eine vaskuläre Prothese lag bei 33% vor. In 77% erfolgte eine primäre Diagnostik mittels Computertomografie. Eine Person wurde initial angiographiert bei eindeutigem Befund in der retrograden Pyelografie. Eine weitere wurde intraoperativ symptomatisch. 56% benötigten intensivmedizinische Betreuung; 89% Transfusionen (1–9 EK). Endovaskuläre Interventionen erzielten bei allen PatientInnen eine initiale Blutungskontrolle. Eine Person benötigte zusätzlich eine offene Operation, eine weitere wurde primär offen operiert. Rezidive traten bei 44% auf und erforderten erneute Eingriffe (endovaskulär n=2, offen n=1, kombiniert n=1). Eine perioperative Mortalität wurde nicht beobachtet.

Schlussfolgerung: UIFs stellen einen diagnostischen und therapeutischen Notfall dar, der ein hohes Maß an Vorsicht erfordert, insbesondere bei PatientInnen mit Ureterstents sowie vorausgegangener Beckenchirurgie und/oder Strahlentherapie. Eine rasche, interdisziplinäre Behandlung ist entscheidend. Chirurgische und endovaskuläre Techniken bilden die Grundlage der Therapie, wobei der Ansatz individuell an den hämodynamischen Zustand und die anatomischen Gegebenheiten angepasst werden muss. Trotz erfolgreicher initialer Behandlung bleiben die Rezidivraten hoch, was die Notwendigkeit einer engen, langfristigen Überwachung und eines optimierten Stentmanagements unterstreicht.