71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie
Roboterassistierte Fistelchirurgie mit vollständiger ureteraler Ligation und sekundärer Reimplantation (CeDUCeR): erste Erfahrungen
Text
Methode: Wir entwickelten ein zweizeitiges Verfahren („Clip-to-Dry-upon-Closure-Reconnect“, CeDUCeR). In Sitzung 1 erfolgen die roboterassistierte Fistelexzision und Schichtverschluss sowie die bilaterale Ureterligatur am Blaseneintritt mit zeitgleicher Nephrostomieanlage („Clip to dry“). Nach kompletter Ausheilung wird nach drei Monaten eine bilaterale ureterale Reimplantation durchgeführt. Wir berichten über drei Patienten mit rektourethraler, rezidivierender vesikovaginaler sowie urethrosymphysärer Fistel und ausgeprägter Symphysitis.
Ergebnisse:
1. Rektourethrale Fistel:
Ein 67-jähriger Patient entwickelte nach radikaler Prostatektomie eine rektourethrale Fistel. Nach Infektsanierung und protektiver Sigmoidostomie erfolgten der roboterassistierte Fistelverschluss, bilaterales Ureterclipping, beidseitige Nephrostomieanlage sowie eine Gracilis-Lappeninterposition. Drei Monate später wurde roboterassistiert eine bilaterale Ureteralreimplantation ohne Antirefluxmechanismus durchgeführt. Der Verlauf war komplikationslos mit vollständiger Heilung.
2. Vesikovaginale Fistel:
Eine 55-jährige Patientin entwickelte nach Kolposakropexie mit Mesh eine vesikovaginale Fistel. Nach frustranem konservativem Management erfolgten die roboterassistierte Fistelexzision, mehrschichtige Rekonstruktion und Interposition eines epiploischen Appendixlappens. Bilaterale Ureteroklusion und Nephrostomien gewährleisteten die vollständige Harnableitung. Drei Monate später erfolgte eine bilaterale Ureteroneozystostomie mit Doppel-J-Stents. Die Zystographie zeigte eine dichte Heilung ohne Leckage.
3. Urethrosymphysäre Fistel:
Ein 58-jähriger Patient entwickelte nach TURP eine urethrosymphysäre Fistel mit Osteitis. Nach initialer offener Revision kam es zum Rezidiv. Es erfolgten der roboterassistierte Fistelverschluss, bilaterale Ureterligatur und Nephrostomien; drei Monate später die bilaterale Ureteroneozystostomie. Der Verlauf zeigte eine vollständige Fistelheilung und Rückbildung der Symphysitis.
Schlussfolgerung: Das CeDUCeR-Konzept ermöglicht durch temporäre Ureteroklusion ein vollständig „trockenes“ Operationsfeld und begünstigt die sichere Heilung komplexer Fisteln. Der Ansatz erwies sich in allen Fällen als effektiv und reproduzierbar. Weitere klinische Erfahrung ist erforderlich.



