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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Prädiktoren der transurethralen Koagulation bei Blasentamponade: eine multizentrische Analyse

Titus Desterne Ndzana Ngueme - EvKB-Johannesstift Bielefeld, Bielefeld, Deutschland
Christian Meyer - Klinikum Herford, Herford, Deutschland
Jesco Pfitzenmaier - EvKB-Johannesstift Bielefeld, Bielefeld, Deutschland

Text

Hintergrund: Die Blasentamponade ist einer der häufigsten urologischen Notfälle. Die Entscheidung zwischen der konservativen Therapie (manueller bzw. kontinuierlicher Blasenspülung) und der transurethralen Koagulation erfolgt in der klinischen Praxis bislang uneinheitlich. Das Ziel dieser multizentrischen Analyse war es, Faktoren zu identifizieren, die mit der Notwendigkeit einer transurethralen Koagulation einhergehen.

Methoden: Es wurden 294 Patient:innen, die zwischen 2021 und 2025 mit Blasentamponade stationär aufgenommen wurden, retrospektiv analysiert. Die Patient:innen wurden in 2 Gruppen eingeteilt: konservative Behandlung (n = 158) und transurethrale Koagulation (n = 136). Erfasst wurden demografische Daten, Komorbiditäten, Laborwerte, Medikationen und die Blutungsursache. Der Gruppenvergleich erfolgt mittels Chi-Quadrat- und Mann-Whitney-U-Tests.

Ergebnisse: Alter, Geschlecht, Komorbiditäten, Gerinnungsstatus sowie Routinelaborwerte (inkl. Aufnahme-Hb) unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Dagegen waren sowohl der Hb-Abfall (ΔHb; Median 1,8 vs. 0,1g/dl; p<0,001), der Transfusionsbedarf (30/136 vs. 15/158; p=0,003) sowie die Intensivpflichtigkeit (11/136 vs. 1/158; p=0,001) signifikant mit der transurethralen Koagulation assoziiert. Zudem zeigte die Blutungsursache einen hochsignifikanten Zusammenhang mit der Therapiewahl (p<0,001): Während Blasentumoren und prostataassoziierte Blutungen überwiegend operativ behandelt wurden, wurden katheterassoziierte Ursachen häufiger konservativ behandelt.

Schlussfolgerung: Die Entscheidung für eine transurethrale Koagulation wird primär durch den klinischen Verlauf (Hb-Abfall, Transfusionsbedarf, Intensivpflichtigkeit) und die Blutungsursache beeinflusst, nicht jedoch durch demografische Faktoren, Komorbiditäten oder Routinelaborwerte.