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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Tuberkulöse Pyelonephritis nach rechtsseitiger Nephrektomie: ein ungewöhnlicher operativer Befund

Housni Bouras - St. Ansgar Krankenhaus Höxter, Department of Urology and Paediatric Urology, Höxter, Deutschland
Saša Pokupić - St. Ansgar Krankenhaus Höxter, Department of Urology and Paediatric Urology, Höxter, Deutschland

Text

Einleitung: Die renale Tuberkulose ist eine seltene, schwierig zu diagnostizierende Ursache für chronische Pyelonephritis oder Abszesse in den Nieren. Oft ist sie zudem unterdiagnostiziert. Genau darüber berichten wir hier: Bei einer Patientin wurde die Tuberkulose der Niere nicht vor, sondern erst postoperativ nach Entfernung der Niere diagnostiziert.

Methode: Eine 84-jährige Patientin klagte über wiederkehrende Harnwegsinfekte und rechtsseitige Flankenschmerzen seit einem halben Jahr. Labor: erhöhte Entzündungswerte (CRP 3,2 mg/dl; Leukozyten 10,6 × 109/l). Sonographie und CT fanden in der rechten Niere eine 4,5 cm große, kaum vom Parenchym abgrenzbare zystische Raumforderung mit teils unregelmäßig verdickter Wand. Thorax-CT und Röntgen waren unauffällig. Wegen therapieresistenter Beschwerden und ausgeprägter entzündlicher Verwachsungen erfolgte am 18.08.2025 eine offene rechtsseitige Nephrektomie.

Ergebnisse: Makroskopisch fand sich die Niere mit vielfältigen Nekrosen und Hohlräumen. Histopathologisch eine stark nekrotisierende Pyelonephritis mit ausgedehnten Granulomen. Eine molekulare Analyse (VisionArray MYCO Chip 2.0, ZytoVision GmbH) zum Nachweis von Mycobacterium tuberculosis-Komplex-DNA zeigte, dass es sich um eine Infektion mit Mycobacterium tuberculosis handelte. Postoperativ erholte sich die Patientin komplikationsfrei, wurde in gutem Zustand entlassen und erhielt eine infektiologische Vorstellung zur weiteren Therapie.

Schlussfolgerung: Die tuberkulöse Pyelonephritis ist eine schwierige Diagnose und kann bei chronischen bakteriellen Niereninfekten eine andere Ursache sein, als man denkt. Hier wird deutlich, wie wichtig jedes Mal die histopathologische und vor allem auch molekulare Untersuchung ist, wenn es sich um eine Niereninfektion handelt, die nicht dauerhaft mit Antibiotika zu behandeln ist. Nur durch das Zusammenspiel von Urologie, Pathologie und Infektiologie kann die Diagnose gestellt und optimal behandelt werden.