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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Tuberkulöse Epididymoorchitis unter laufender intravesikaler BCG-Therapie – ein seltener postoperativer Befund

Housni Bouras - St. Ansgar Krankenhaus Höxter, Department of Urology and Paediatric Urology, Höxter, Deutschland
Saša Pokupić - St. Ansgar Krankenhaus Höxter, Department of Urology and Paediatric Urology, Höxter, Deutschland

Text

BCG-Instillationen sind das etablierte Standardverfahren in der adjuvanten Therapie bei Hochrisiko pT1-Karzinomen des Harnblasenepithels. Neben einer insgesamt guten Verträglichkeit der Therapie können in unter 1% der Fälle allerdings lokale oder auch systemische Infektionen mit Mycobacterium bovis, dem Erreger der BCG-Therapie, auftreten. Eine BCG-bedingte Epididymoorchitis gilt mit einer auf unter 0,1% geschätzten Inzidenz als außerordentlich seltene Komplikation. Wir berichten über einen Patienten mit persistierender Verhärtung des rechten Nebenhodens unter laufender BCG-Erhaltungstherapie.

Ein 59-jähriger Patient nach transurethraler Resektion (TUR-B) eines pT1 G3 Urothelkarzinoms und darauf folgender BCG-Induktions- und Erhaltungstherapie kam im Oktober 2025 mit der Hauptbeschwerde einer schmerzfreien Schwellung am rechten Hoden, die nach mehreren ambulanten Behandlungen mit Antibiotika trotz Therapiekürzung persistierte. Klinisch fand sich im Bereich des kaudalen Nebenhodens eine circa 2 cm große, druckschmerzfreie, harte Raumforderung. Sonographisch zeigte sich im Nebenhodenschwanz eine ca. 2 cm große, echoarme, avaskuläre Läsion bei erhaltener Hodenparenchymstruktur. Aufgrund von anhaltenden Beschwerden und dem Verdacht einer BCG-assoziierten Infektion erfolgte am 10.10.2025 eine rechtsseitige Epididymo-Orchiektomie.

Intraoperativ fand sich ein kleiner Abszesshof mit eitrigem Sekret im Bereich des rechten Nebenhodens. Histologisch zeigte sich ein von Mykobakterien hervorgerufenes granulomatöses Entzündungsbild mit Verkäsungsnekrosen sowie zahlreiche tuberkulöse Veränderungen. Die molekulargenetische Untersuchung mittels des VisionArray MYCO Chip 2.0 bestätigte, dass es sich um DNA des Mycobacterium bovis handelt, den Erreger dem die BCG-Instillationen zuzuordnen wären. Der weitere postoperative Verlauf war komplikationslos. Nach Rücksprache mit den Infektiologie-Kollegen wurde eine standardisierte antituberkulöse Therapie eingeleitet und die BCG-Instillationen dauerhaft eingestellt.

Die Epididymoorchitis nach BCG-Instillation stellt eine ungewöhnliche, aber klinisch wichtige Komplikation der intravesikalen BCG-Therapie dar. Bei persistierenden Hodenverhärtungen unter BCG-Therapie sollten deshalb frühzeitig neben einer sonographischen Diagnostik auch eine mikrobiologische Diagnostik auf Mykobakterien durchgeführt werden, um diese als Ursache auszuschließen und bei ihrem Nachweis unverzüglich eine adäquate Therapie einzuleiten.