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71. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie

Nordrhein-Westfälische Gesellschaft für Urologie e. V.
16.-17.04.2026
Essen

Meeting Abstract

Wertigkeit der systematischen versus perilesionalen Biopsie im Rahmen der Fusionsbiopsie (mp vs. bpMRT): Ist eine 12-Stanzen-Strategie noch notwendig?

Agneta Seebold - Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland
Julian Luetkens - Klinik für Diagnostische und interventionelle Radiologie, Bonn, Deutschland
Alexander Isaak - Klinik für Diagnostische und interventionelle Radiologie, Bonn, Deutschland
Glen Kristiansen - Institut für Pathologie, Bonn, Deutschland
Marit Bernhardt - Institut für Pathologie, Bonn, Deutschland
Thomas Büttner - Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland
Jörg Ellinger - Klinik für Urologie GFO-Kliniken Troisdorf, Troisdorf, Deutschland
Manuel Ritter - Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland
Philipp Krausewitz - Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Bonn, Deutschland

Text

Einleitung: Der aktuelle Goldstandard in der Prostatakarzinom-(PCa)-Diagnostik ist die kombinierte systematische 12-fach-Biopsie (SB) und gezielte MRT-Fusionsbiopsie (TB). Gemäß der EAU-Guideline 2024 kann die SB jedoch auch durch eine perilesionale Biopsie (PB) ersetzt werden. Diese Studie untersucht die diagnostische Wertigkeit der additiven 12-core SB versus einer reduzierten 4-core-PB im Rahmen der Prostatastanzbiopsie.

Material und Methoden: Die Biopsieergebnisse von 314 biopsie-naiven Männern mit PIRADS 3–5 Läsionen im multiparametrischer MRT (mpMRT) und von 100 biopsie-naiven Männern mit biparametrischer MRT, die eine TB+SB erhielten, wurden analysiert. Die Detektionsraten klinisch signifikanter PCa (csPCa, ≥ Gleason 7a) sowie das histopathologische Grading wurden zwischen TB+SB und TB+PB verglichen. Die PB wurde post hoc simuliert, basierend auf einem institutionellen standardisierten Biopsieschema unter Einbindung der 4 Biopsiezylinder, die in den kraniokaudal angrenzenden PIRADS-Sektoren der MRT-Indexläsion platziert wurden. In einer Subgruppe (n=80 für die mpMRT-Subgruppe und n=28 für die bpMRT Subgruppe) wurde das Up- und Down-Grading des Gleason-Scores zwischen Biopsie und Prostatektomiepräparat untersucht.

Ergebnisse: Die csPCa-Rate betrug bei PIRADS 3,4 und 5 Befunden je 41%, 64% und 90% (für mpMRT) und 39%, 82% und 97% (für bpMRT). In 6% (mpMRT) und 13% (bpMRT) der Fälle wurde csPCa nur durch die SB diagnostiziert, wobei 92% (mpMRT) und 95% (bpMRT) der Tumore in angrenzenden PIRADS-Sektoren lagen. Eine perilesionale Biopsie hätte 11 von 12 (mpMRT) bzw 6 von 9 (bpMRT) durch die TB übersehene csPCa nachgewiesen. Die perilesionale Biopsie hätte die Stanzzylinderanzahl um 75% reduziert. In der mpMRT Prostatektomiesubgruppe, betrug die Übereinstimmung der ISUP-Graduierung jeweils 62,0% (49/79) beim Vergleich von TB+PB und TB+SB. In der bpMRT Prostatektomiesubgruppe, lag die Übereinstimmung zwischen Biopsie und Prostatektomie-ISUP-Gradgruppe ebenfalls bei 53,6% (15/28) für beide Biopsieverfahren (TB+SB und TB+PB).

Schlussfolgerung: Eine additive Biopsie nebst TB bleibt zur Sicherstellung höchster diagnostischer Genauigkeit erforderlich. Die perilesionale 4-core-Biopsie stellt sowohl im Rahmen der mpMRT als auch der bpMRT gestützten Prostatabiopsie eine vielversprechende, weniger belastende Alternative zur 12-core-SB dar.